Freilich wurden bereits Initiativen zur Dorfkern- und Greißler-Wiederbelebung gestartet. Auf politischer Ebene ist Salzburg Vorreiter, wo 2018 eine Novelle des Raumordnungsgesetzes in Kraft treten soll, die der Bodenversiegelung entgegenwirkt. Die Ansiedlung neuer Supermärkte an Ortsrändern wird damit strenger geregelt sein.

Weitere Projekte in österreichischen Gemeinden seien, dass man versuche, bestehende Gebäude zu sanieren, statt "auf der grünen Wiese zu bauen", sagt Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Um die Leute im Ort zu halten, gebe es zudem eine höhere Wohnbauförderung.

"Wenn ein Dorf nicht attraktiv ist, gibt es keine Investoren"


Seit 1990 vergibt die Arge Landentwicklung und Dorferneuerung den europäischen Dorferneuerungspreis, dessen Projekte von den Bundesländern mitunter gefördert werden. Das Land Niederösterreich zum Beispiel übernahm zuletzt rund ein Viertel der Investitionskosten. Zudem hat das Umweltministerium den Masterplan für den ländlichen Raum initiiert.

Warum all diese Initiativen dennoch kaum oder zu wenig fruchten, erklärt Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer-Rosinak so: "Um ein Dorf attraktiver zu machen, müsste man die Infrastruktur und die Jobs schaffen. Dafür bräuchte man Geld von außen. Wenn ein Dorf nicht attraktiv ist, gibt es aber keine Investoren." Es sei ein Teufelskreis. Eine Abwärtsspirale.

Mit dem Ergebnis, dass mitunter Wohnungen für junge Menschen genauso wie Altersheime für alte Menschen fehlen. In einigen Gemeinden, vor allem im Umland größerer Städte, gebe es zwar die Tendenz, dass Junge weggehen und später, wenn sie eine eigene Familie haben, wieder aufs Land zurückkommen - "ein allgemeines Erfolgsrezept gibt es dafür aber nicht", sagt Ehmayer-Rosinak. "Ob ein Dorf funktioniert oder nicht, steht und fällt mit den Bewohnern." In Tirol etwa erbringen Freiwillige durch ihre Arbeit laut Gemeindebund-Präsident Riedl insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Leistungen, die sonst die Steuerzahler leisten müssten. Ohne Engagement sei ein Dorf indes eine Geisterstadt, sagt Ehmayer-Rosinak.

Einige Dörfer, in denen der soziale Zusammenhalt und Ansiedelungsprojekte einfach nicht funktionieren, müsse man aber wohl auch sterben lassen, so Ehmayer-Rosinak. Jede Bemühung für diese sei chancenlos. Ähnlich wie bei einem dem Tod geweihten Patienten.