Weitere Konsequenzen drohen. Das Frauenministerium habe nach Nachfrage der "Wiener Zeitung" die Stadt Wien informiert, die für Prostitution zuständig ist, heißt es - das Wiener Prostitutionsgesetz ist Landessache. Das Ministerium prüfe, ob hier Rechtswidrigkeit vorliegt. Man habe den Fall zudem an den Werberat weitergeleitet, der Werbung unter anderem auf Sexismus prüft. Dieser dürfte hier allerdings gar nicht zuständig sein, da er ausschließlich bei genehmigten Werbungen zum Einsatz kommt - ein Teufelskreis.

Von juristischer Seite betrachtet, erkennt Katharina Beclin vom Institut für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Wien grundsätzlich noch nichts strafrechtlich Relevantes. Die Seite wende sich offenbar an Volljährige, und es dürfte sich, wenn überhaupt, höchstens um ein Anwerben zur Prostitution und kein "Zuführen" im Sinne des § 215 StGB handeln, meint sie. Der Tatbestand Zuhälterei erfordere ein "Ausnützen" der Prostituierten - eine normale Vermittlungsgebühr könne man nicht als "Ausnützen" sehen.

Ein möglicher Anknüpfungspunkt könnte allerdings der grenzüberschreitende Prostitutionshandel sein, weil in diesem Fall ein "Anwerben" ausreichen würde. Da das Angebot aber eher wie eine Partnervermittlung aufgezogen sei, sei es schwierig, hier von "Anwerben" für die Prostitution zu sprechen, sagt Beclin.

Lena Köhler vom Vorsitz der
Österreichischen Hochschülerschaft der Uni Wien sieht das Problem von vornherein ganz woanders gelagert. Dass sich die Sugardaddy-Werbeplakate gezielt an Studenten richten, sei deren schlechten sozialen Lage geschuldet.

Daher sei es "wenig verwunderlich, dass es zu solchen Dingen kommt", sagt Köhler. "Studenten, die sich prostituieren, sind kein Einzelfall." Konkrete Zahlen gebe es freilich nicht, die Dunkelziffer sei hoch. Die Werbeplakate aus Wiens Straßen zu verbannen, ist in ihren Augen nicht die Lösung des Problems. Vielmehr müsse man sich um die soziale Lage der Studenten kümmern.

Diese scheint auch dem Geschäftsführer der Datingplattform, dem Norweger Sigurd Vedal, bewusst zu sein. Die finanzielle Situation der Studenten, deren Internetaffinität und die Tatsache, dass viele auf der Suche nach einem erfolgreichen Mann seien, habe ihn die Kampagne in der Nähe von Universitäten starten lassen, sagt Vedal zur "Wiener Zeitung". "Sie brauchen Geld mehr als andere, suchen aber nach mehr als nur Geld." Der Großteil der 430.000 Mitglieder der im August gegründeten Plattform seien Studentinnen. Auf vier Sugarbabies komme ein Sugardaddy. Der Beitrag für ein Monat koste bis zu 79 Euro.

Seit Start der Kampagne am Montag dieser Woche in Österreich hätten sich bereits 7000 österreichische Mitglieder angemeldet. Das Ziel seien 100.000 Mitglieder bis Ende 2017, sagt Vedal.

Die Aufregung rund um die Plattform kann Vedal nicht nachvollziehen. "Es ist nicht so, dass unsere Mitglieder zahlen und dafür Sex bekommen", sagt er. "Das wäre ja kriminell." Jedem stehe es frei, zu daten, wen er will. Einige suchten auch nach einem potenziellen Ehemann auf der Plattform.