Das Immofinanz-Konsortium hatte in der zweiten Bieterrunde seinen Konkurrenten knapp ausgestochen: Es bot mit 961,3 Millionen Euro etwas mehr als die CA Immo, die 960,1 Millionen auf den Tisch legte. Laut Anklage erhielten Hochegger und Meischberger die entscheidenden Informationen über das Bieterverfahren vom damaligen Finanzminister Grasser, der nun wegen Untreue, Geschenkannahme durch Beamte und Fälschung eines Beweismittels angeklagt ist.

"Die Staatsanwaltschaft macht mich zum Harry Potter dieser Privatisierung", so Grasser. Doch habe er den Vergabeprozess nicht beeinflusst. Seine Aufgabe bei der Buwog-Privatisierung sei gewesen, den Verkauf politisch zu vertreten und zu kommunizieren. Die Vergabekriterien aber etwa, die seien von den unabhängigen Experten der Vergabekommission erstellt worden. Auf deren Empfehlungen habe er sich bei seinen Schritten immer verlassen.
Die Staatsanwälte würden diese Rollenverteilung nicht verstehen. Das liege daran, dass die Staatsanwälte kein "Know-how in Privatisierungsfragen haben". Jeder Sachverständige würde feststellen, dass man das bestmögliche Ergebnis bei der Buwog-Privatisierung erzielt habe. Grasser vermutet, dass die "Zielgröße" von 960 Millionen Euro am Markt bekannt gewesen ist. Dort habe Meischberger die Information wohl aufgeschnappt.
Dass der Tipp sehr wohl von Grasser gekommen sei, hatte hingegen Hochegger bei seinem Teilgeständnis angegeben. Grasser habe Schmiergeld kassiert, erklärte der Ex-PR-Fachmann.

"Eine Schlange, die sich häutet, bleibt eine Schlange", sagte Grasser über seinen einstigen Geschäftspartner Hochegger. Nach wie vor sei Hochegger ein geschickter PR-Profi. Für Grasser steckt hinter Hocheggers Verhalten ein alter Konflikt. Hochegger habe seine "Gegner" bei der Meinl International Power (MIP) vertreten, wo Grasser selbst Manager war, erklärte der Ex-Politiker. Als er erfahren habe, dass sein damaliger Geschäftspartner Hochegger seine Gegner vertrete, habe er mit ihm gebrochen. Seitdem habe er Hochegger weder getroffen noch mit ihm gesprochen.

Wenig hält Grasser auch vom zweiten Anklagekomplex. Der dreht sich um die Einmietung der Finanzbehörde in das Linzer Bürohaus "Terminal Tower". Grasser soll der Einmietung erst nach einer Schmiergeldzahlung in Höhe von 200.000 Euro zugestimmt haben. Als "Seifenblase" der Staatsanwaltschaft wies er das zurück. Er habe in dieser Causa gar keine Rolle gespielt.

Auch den "gemeinsamen Tatplan", den Grasser mit seinen Vertrauten Meischberger, Hochegger und Ernst Plech ausgearbeitet haben soll, bestritt der Angeklagte. Laut Anklage wurde er zu Beginn von Grassers Amtszeit entworfen, um bei diversen Geschäften mitschneiden zu können.

Der Tatplan sei eine Erfindung, ein Konstrukt der Staatsanwaltschaft, erklärte Grasser: "Er hat der Staatsanwaltschaft gut in ihr Drehbuch gepasst." Zu Beginn seiner Amtszeit habe er überhaupt keine Zeit für die Erstellung eines solchen Plans gehabt. "Ich habe sieben Tage die Woche 16 Stunden gearbeitet."