St. Pölten/Wien. Mehr als eineinhalb Meter in die Höhe und etwa genauso weit in die Tiefe: Um diese Dimensionen soll das Wasserkraftwerk des niederösterreichischen Strom-, Gas- und Wärmeversorgers EVN am Kamp in Rosenburg wachsen. Durch Abriss und Neubau soll der Staudamm erhöht werden, gleichzeitig will man das Flussbett auf einer Länge von eineinhalb Kilometern ausbaggern. Zudem sollen 2,9 Hektar Wald fallen, weil die Stämme sonst im Stausee stehen. Die EVN rechnet mit Kosten von rund zehn Millionen Euro.

Die Intention vonseiten der EVN ist, wie es heißt, die erneuerbaren Energieträger auszubauen, damit Österreich die Ziele der heuer präsentierten Klima- und Energiestrategie erreicht: Strom soll demnach bis 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen, aktuell sind es 70 Prozent. Im Fall des geplanten Kraftwerks am Kamp, für das die Umweltverträglichkeitsprüfung läuft, sind aber gerade die Umweltschützer empört. Denn das Kraftwerk befindet sich in einem Natura-2000-Schutzgebiet, und durch den Ausbau würde eine Fläche von mehr als acht Fußballfeldern zerstört werden, sagte Gerhard Egger, Leiter der Gewässerschutzabteilung des WWF Österreich, am Mittwoch.

Und das, obwohl die Leistung des Kraftwerks von derzeit 4,2 Gigawatt (GW) pro Jahr zwar auf 8,4 GW verdoppelt werden soll, diese damit aber noch immer nur halb so groß wie jene eines modernen Windkraftwerks wäre, so Egger. Konkret würden rund 1200 Haushalte mehr mit Strom versorgt werden. Generell habe die Wasserkraft auf dem Weg zur 100-prozentigen Stromerzeugung aus Erneuerbaren bis 2030 in Österreich, wo es bereits rund 5200 Wasserkraftwerke gibt, das geringste Potenzial. Österreich und die Schweiz haben die höchste Wasserkraftwerk-Dichte der Welt - rund 60 Prozent der Fließgewässer sind hierzulande in keinem guten ökologischen Zustand.

"Verstoß gegen EU-Richtlinien"

Ein massiver Vorwurf kommt dazu von Clemens Feigel von der Bürgerinitiative für einen lebendigen Kamp. Dabei geht es um die Gutachten der EVN zum Projekt, die das Land Niederösterreich derzeit prüft - das allerdings Mehrheitsbesitzer der börsennotierten EVN AG ist. "Wenn die Behörde mit der EVN kooperiert, kann man kein Vertrauen mehr haben", so Feigel.

Der von den Umweltschützern mit der Causa beauftragte Jurist Josef Unterweger formuliert es folgendermaßen: "Der Projektant steht im wirtschaftlichen Eigentum des Landes Niederösterreich, das Land Niederösterreich bestellt die Gutachter und entscheidet dann auch noch, ob diese gut gearbeitet haben." Tatsächlich sei das Projekt mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie, wonach der ökologische Gewässerzustand zu verbessern ist, und der EU-Fauna-Flora-Habitatrichtlinie nicht vereinbar, sagt er.