Aktives und gesundes Altern ist wichtig und daran ist nichts falsch. Dies sollte jedoch nicht auf Aktivitäten und gesunde Ratschläge und Anreize beschränkt sein. "Aktives Altern" war einmal, jetzt geht es um "positives Altern". Positives Altern besteht aus sozialer Integration und einem gesunden Leben, denn das sind die zwei bestimmenden Faktoren. Der dritte und bestimmende Faktor ist der Schutz der Menschenrechte älterer Menschen.

In welchen Bereichen ist der Schutz der Rechte von Älteren besonders notwendig?

Ältere sollen so lange wie möglich ein selbständiges und autonomes Leben führen können. Können sie das nicht mehr, haben sie das Recht auf Information und Aufklärung, und ihre Einwilligung ist entscheidend. Wir wollen Maßnahmen ermutigen, die ältere Personen hinsichtlich einem gesunden Lebensstil und Selbstpflege beraten und leiten. Es sollten Betreuungsmaßnahmen gefördert werden, die die Verschiedenartigkeit älterer Menschen berücksichtigen - und das in allen Bereichen: in der Grundversorgung, der Akutversorgung, der Rehabilitation, der Langzeit- und Palliativversorgung, der Selbstversorgung und in den gerontologischen Diensten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung von Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen, die ihre Unabhängigkeit fördern, auch in öffentlichen Räumen, im Verkehrswesen und in anderen Diensten.

Ihr Wunsch an die Zukunft: Wie soll Altern gestaltet werden?

Viele Gesellschaften altern rasant. Daher muss sichergestellt werden, dass ältere Menschen ein autonomes Leben führen können. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, bei dem ältere Menschen auf allen Ebenen in die Gesellschaft einbezogen werden; von altersfreundlichen Gemeinschaften bis hin zu personenorientierten Betreuungsmodellen, und der die Autonomie und Würde älterer Menschen fördert.

Derzeit klingt "in Würde altern" oftmals noch nach Utopie. Welche Herausforderungen sehen Sie hier?

Die Zunahme chronischer und degenerativer Erkrankungen im Alter stellt die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Pflegemodelle für ältere Menschen vor Herausforderungen. Der auf Krankheiten ausgerichtete Ansatz in der Pflege auf verschiedenen Ebenen muss durch effektivere und auf Rechte basierende Modelle ersetzt werden, um den spezifischen Bedürfnissen der heterogensten Altersgruppen gerecht zu werden. Bei der Gestaltung, Umsetzung, Überwachung und Bewertung von Gesetzen, Politiken, Programmen, Strategien und Rahmenbedingungen in den Bereichen Soziales und Gesundheitswesen muss die Achtung und Stärkung der Autonomie älterer Menschen stärker berücksichtigt werden.