MexicoCity/Washington/Wien.Der Kojote gilt in der Biologie als Paradebeispiel für einen Kulturfolger. Denn war der Prärie- oder Steppenwolf früher vor allem in mit Gräsern bewachsenen Ebenen anzutreffen, so hat sich das Tier nun seinen Lebensraum von Alaska bis Costa Rica ausgedehnt und ist dem Menschen bis in die Städte gefolgt.

Das spanische Wort für den Steppenwolf, Coyote, kommt aus dem Aztekischen und bedeutet Mischling. Man geht davon aus, dass sich der Kojote mit Hunden als auch mit Wölfen paaren kann.

"Coyote" ist also ein passender Begriff für jene Menschen, die das Überqueren von Grenzen zu ihrem Geschäft gemacht haben. Als Kojoten werden die mexikanischen Schlepper bezeichnet, die entweder Menschen oder Waren auf Schleichwegen über die Grenze in die USA bringen.

Sie agieren dabei als Bedrohung genauso wie als Führer oder als Berater. Kojoten sind Allesfresser.

US-Präsident Donald Trump will unbedingt eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen beziehungsweise vervollständigen - denn über weite Teile steht bereits ein Zaun. Deswegen ist die US-amerikanische Regierung im "Shutdown": Der US-Kongress in Washington will Trumps Forderung nach fünf Milliarden Dollar (4,39 Milliarden Euro) für die Grenzmauer nicht zustimmen.

Kinder als Ticket

Knapp dreitausend Kilometer weiter, im US-mexikanischen Grenzraum bei El Paso, Texas, sind im Dezember zwei guatemaltekische Kinder in US-amerikanischem Gewahrsam gestorben. Das erste Kind, die siebenjährige Jakelin Caal, scheint wegen Erschöpfung und Erkältung gestorben zu sein, das zweite, Felipe Gordo-Alonzo, hatte ebenfalls plötzlich Fieber. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten bei der Begutachtung der Auffangräume für Migranten davon, dass viele Menschen auf nackten Betonböden schlafen und es keine Decken gibt. Im texanischen El Paso und in Alamogordo, New Mexico (zwischen den beiden Auffangstationen wurden der achtjährige Felipe und dessen Vater Agustin hin und her geschoben) hat es im Winter Minusgrade.

Agustin Gomez und sein Sohn Felipe brachen Anfang Dezember von einer kleinen indigenen Gemeinde in Guatemala Richtung USA auf. Felipes Mutter, Catarina, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Nachbarn gesagt hätten, dass die Mitnahme eines Kindes ein Ticket in die USA wäre. Man wäre zwar vielleicht ein oder zwei Monate in Gewahrsam, würde es aber letztlich in die USA schaffen. Und dann könne man arbeiten, um seine Schulden daheim begleichen zu können.

Der Vater hatte zwar zwischendurch Zweifel gehabt und wollte das Kind doch nicht mitnehmen, aber der Sohn bestand darauf.