Vorgelebt: Ex-CEO Lloyd Blankfein im Business Look. - © afp/Getty
Vorgelebt: Ex-CEO Lloyd Blankfein im Business Look. - © afp/Getty

New York. (wak) Einer der letzten Bastionen der rigiden Kleidungsvorschriften ist gefallen. "Wir glauben, es ist die Zeit gekommen, um zu einem flexiblen Dresscode für die gesamte Firma überzugehen", heißt es in einer Rundmail seitens des Vorstandes. Allerdings solle man bei der Wahl der künftigen Kleidung "gesunden Menschenverstand" einsetzen.

Die Investmentbank Goldman Sachs legte bis zuletzt bei Männern Wert auf dunkle Anzüge, gern nach Maß. Natürlich mit Krawatte. Für Frauen galt ebenfalls die Pflicht zum Businesskostüm, dunklen Farben und dezentem Schmuck, was die meisten mit Perlen gleichsetzten - sowie hohe Schuhe.

Nun werden die Regeln gelockert. Freilich heißt das nicht, dass man nun im Hawaii-Hemd in den Dienst kommen darf - vor allem nicht, wenn man Kundenkontakt hat. "Wir wollen, dass sich unsere Klienten wohlfühlen." Aber man vertraue den Mitarbeitern, am besten zu wissen, was wann angebracht ist.

Mit diesem internen Memo hat Goldman Sachs nun die Unternehmensuniform insgesamt gelockert. Schon vor einem Jahr hat der Wall-Street-Riese in seiner Filiale in San Francisco seine Kleidungsvorschriften für IT-Fachkräfte gelockert, die sich um den Aufbau der Online-Bank von Goldman Sachs kümmerten.

Nur so könne man an die besten Köpfe im Technologie-Sektor kommen, war das Kalkül. Ein Reporter von Bloomberg beschrieb die Atmosphäre in San Francisco als die eines "Westküsten-Start-ups".

Jüngere wollen keine Regeln

Dass Goldman Sachs seine strenge Business-Eleganz aufgibt, ist wohl weniger der plötzlich gefundenen Entspannung geschuldet als der Tatsache, dass immer mehr Jobeinsteiger in den USA ein derart starres Umfeld ablehnen. US-Umfragen zufolge würden rund 60 Prozent der Bevölkerung - und hier gerade jüngere Menschen, also frische Talente - in den USA legere Kleidung, "Casual Clothing", bevorzugen. Wie man sich anziehen darf, wird inzwischen genauso auf die Waagschale gelegt wie ein Diensthandy oder Wagen.

Goldman-Konkurrent J. P. Morgan Chase & Co hat schon vor über einem Jahr die Kleidungsvorschriften gelockert, das Sakko baumelte oft nur mehr vom Bürostuhl.

Doch die Frage ist, ob dieser gelockerte Dresscode von Goldman Sachs auch bei allen Mitarbeitern angenommen wird - vor allem bei den ehrgeizigen. Laut der "Financial Times" würden sich etwa die Angestellten bei dem anderen Goldman-Konkurrenten Morgan Stanley fast noch strenger anziehen als zuvor. Der Grund: Läuft man dem Chef über den Weg, so nimmt der dann zumindest an, man hätte ein wichtiges Kundenmeeting.