Los Angeles. Sozialdarwinismus in Reinkultur reicht angesichts des Status quo als Beschreibung kaum aus: Um zu verstehen, wie weit Eltern in den USA gehen, um ihren Sohn oder ihre Tochter in der Art von Universität unterzubringen, die sie als einzig richtige erachten, muss man zunächst den Wettbewerbsdruck verstehen, unter dem Letztere stehen.

Die University of California Los Angeles zum Beispiel: Weltweit unter dem Kürzel UCLA bekannt, gehört sie zu den wenigen öffentlichen US-Bildungsinstitutionen, die den Titel "Eliteuni" für sich beanspruchen können. Im Ranking der Times Higher Education, die Universitäten aus 138 Ländern evaluiert, rangiert sie nur knapp hinter britischen Elite-Universitäten wie Oxford und Cambridge oder renommierten Privatunis wie Harvard, oder dem Massachusetts Institute of Technology. Entsprechend sehen die Bewerberzahlen aus. 2019 bewarben sich rund 111.000 Schüler und 6000 Auslandsstudenten aus der ganzen Welt für die Aufnahme an der UCLA. Ein Einser-Notenschnitt gilt de facto als Voraussetzung, bildet aber noch längst keine Aufnahmegarantie. Im Schnitt kommt nur jeder zehnte Bewerber in den Genuss einer UCLA-Ausbildung.

US-Schauspielerin Lori Loughlin, bekannt aus der Serie "Full House", soll auch Schmiergeld gezahlt haben. - © APAweb/Reuters, Danny Moloshok
US-Schauspielerin Lori Loughlin, bekannt aus der Serie "Full House", soll auch Schmiergeld gezahlt haben. - © APAweb/Reuters, Danny Moloshok

Das Aufnahmeverfahren ist so mühsam wie umfassend. Der Bewerber muss detailliert Auskunft über sein Leben geben - sozialer Status der Eltern, finanzielle Situation und private Interessen inklusive. Weil die Absolvierung einer Eliteuni in den Vereinigten Staaten des 21. Jahrhunderts einen der letzten Wege repräsentiert, der sozialen Aufstieg möglich macht, lassen trotzdem heute Millionen Eltern nichts unversucht, solche Verfahren erfolgreich zu bewältigen - und wie sich herausstellt, behelfen sich manche krimineller Methoden.

Haftbefehle für 50 Personen

Die Bundespolizei FBI erließ diese Woche Haftbefehle für 50 Personen, darunter Hedge-Fund-Manager, Immobilienmagnaten, Designer und bekannte Schauspieler wie Felicity Huffmann ("Desperate Housewives") und Lori Loughlin ("Full House"). Alle hatten sie zwischen 2011 und 2018 versucht, ihre Kinder mit Hilfe zweier Mittelsmänner - William Rick Singer, dem Geschäftsführer einer Firma namens Key Worldwide Foundation, sowie John Vandemoer, einem ehemaligen Segel-Coach der Stanford University - auf illegale Weise in einer Eliteuniversität unterzubringen.

Der Betrug nahm laut FBI mehrere Formen an. Mal wurden Uni-Angehörige direkt bestochen, mal indirekt. Mal bezahlten die Eltern einen anderen, talentierteren Schüler, der oder die sich als ihr Sohn oder ihre Tochter ausgab und die Aufnahmetests für sie erledigte. Mal gaben sie ihren Nachwuchs als Athleten aus (für nämliche sind die Zugangskriterien niedriger), ungeachtet dessen, ob er oder sie jemals im Leben ein Spielfeld betreten hatte. Insgesamt rund sechs Millionen Dollar sollen sich die unter Anklage Stehenden das Ganze kosten haben lassen.

Landesweit sind acht Eliteunis betroffen: Im Osten Yale, Georgetown und Wake Forest. Im Süden die University of Texas, an der Westküste Stanford, die University of Southern California (USC), die University of San Diego und die UCLA. Auch wenn sich die politischen Auswirkungen noch im Rahmen halten: Im aktuellen gesellschaftlichen Klima, das in den USA herrscht, erschüttert der Skandal den Glauben an die Elite-Bildungsinstitutionen derart, dass er selbst dem Weißen Haus gefährlich werden kann. Nicht umsonst fallen in den sozialen Medien in seinem Kontext immer wieder die Namen Kushner und Trump.

Legale Millionenspenden

Wie seine High-School-Lehrer bestätigen, hätte etwa Jared Kushner, der Schwiegersohn Donald Trumps, nie die Aufnahme in Harvard geschafft, wenn sein Vater der Uni nicht 2,5 Millionen Dollar gespendet hätte. Selbst Trump ist sich der Gefahr der Information bewusst, dass seine akademischen Leistungen wahrscheinlich nicht gereicht hätten, um in den Sechzigerjahren auf die zur University of Pennsylvania gehörende Wharton School of Business zu gehen: Von seiner Volksschule bis zu dieser Uni hat er jeder einzelnen Bildungsinstitution, die er je besuchte, mit Klagen in Millionenhöhe gedroht, wenn sie seine Noten veröffentlichen. Ganz zu schweigen davon, dass er sich in den Neunzigern zu einer Spende von 1,4 Millionen Dollar an die UPenn bereit erklärte (wie viel er davon zahlte, ist ungewiss) - rein zufällig im gleichen Jahrzehnt, als Tochter Ivanka und Donald junior dort aufgenommen wurden. Im Gegensatz zu den jetzt vom FBI angeklagten Eltern, die im Schnitt lediglich sechsstellige Summen zahlen konnten, war all das freilich ganz legal.