Wien. Politische Bewegungen brauchen Helden. Menschen, die inspirieren. Wie die Pazifistin Berta von Suttner. Glühende Redner wie der Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela. Unbeirrbare Aktivistinnen wie die Yesidin Nadia Murad. Oder Menschen mit Todesmut wie die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die 2014 als damals 17-Jährige den Friedensnobelpreis bekam.

Die Umweltbewegung hat nun wieder eine solche Heldin. Greta Thunberg. Sie hat im August vorigen Jahres ihren Schulstreik fürs Weltklima begonnen. Sie fährt Bahn, verzichtet auf Fleisch und versucht zu zeigen, dass man ein nachhaltiges Leben führen kann. Diesen Freitag streiken - inspiriert von Greta Thunbergs Schulstreik - hunderttausende junger Menschen an mehr als 1650 Orten in 100 Ländern unter dem Motto "Fridays for Future". Schülerinnen und Schüler in Wien, Innsbruck, Graz, Salzburg, aber auch Fürstenfeld und Hartberg schließen sich dem Klimaprotest ebenso an, wie junge Menschen in Asien, Amerika, Afrika und Europa. Eltern haben sich mit ihren Kindern in "Parents for Future"-Gruppen solidarisiert, Wissenschaftlerinnen und Forscher sind unter dem Banner "Scientists for Future" dabei.

2018 wüteten in Kalifornien verheerende Waldbrände. - © Getty Images/Chasethesonphotography
2018 wüteten in Kalifornien verheerende Waldbrände. - © Getty Images/Chasethesonphotography

Der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg ist es zwölf Jahre nach dem Friedensnobelpreis für den Klimaaktivisten Al Gore gelungen, das Klima-Thema wieder auf die Agenda zu setzen. Gore, der am 31. März dieses Jahres 71 Jahre alt wird, begann seine Karriere als bekannter Klimaaktivist im Jahr 1992, Thunberg ist am 3. Jänner gerade erst einmal 16 Jahre alt geworden - im Dezember 2018 waren beide bei der Klimakonferenz in Katowice und im Jänner 2019 beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Kandidatin für Nobelpreis

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Am Donnerstag wurde bekannt, dass Greta von zwei norwegischen Abgeordneten für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. Greta Thunbergs #fridaysforfuture entspricht ganz dem Modell des Aktivismus im Internet-Zeitalter: Hierarchiefrei, netzwerkförmig und netzbasiert und ohne klar erkennbare Strukturen. Al Gore hingegen ist ganz der Old-School-Aktivist, Top-Politiker, Buchautor und Filmprotagonist. Und während Thunberg leise und fast schon unscheinbar ist und wirkt, als sei ihr Ruhm und Bekanntheit unangenehm, war Al Gore immer auch ein talentierter Showman: "Neulich im Fernsehen sagte ein Komiker: Diese Erderwärmung ist dann für mich Fakt, wenn das heißeste Jahr aller Zeiten immer das ist, das wir gerade haben." Das sagt der frühere US-Vizepräsident Al Gore in seiner TV-Dokumentation "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" aus dem Jahr 2017.