2018 war das viertwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert, 2016 das wärmste, danach folgt 2015 und 2017. Von den zehn heißesten Jahren waren sieben in diesem Jahrzehnt. Al Gore war so etwas wie der Klimaprophet der 90er Jahre. Nach einem schweren Autounfall seines Sohns Albert im April 1989 war Al Gores Leben auf den Kopf gestellt: Er fragte sich, was wirklich zählt im Leben, und begann noch im Johns Hopkins Hospital, wo sein Sohn auf der Intensivstation lag, mit dem Schreiben des Buches "Earth in the Balance". "Diese Veränderung im Leben hat mich ungeduldig mit dem Status quo, mit dem immer gleichen konventionellen Denken und mit der denkfaulen Annahme, dass wir uns immer durchwursteln werden können. Diese Selbstzufriedenheit hat dazu geführt, dass viele schwierige Probleme immer größer werden konnten. Aber nun, da wir einer immer dramatischer werdenden globalen Umweltzerstörung gegenüberstehen, droht sie zum absoluten Desaster zu werden. Niemand kann annehmen, dass sich diese Probleme unserer Welt schon irgendwie von alleine Lösen werden. Wir müssen alle zu Partnern bei der Kraftanstrengung, die Basis unserer Zivilisation zu verändern, werden", schrieb Gore in diesen 1992 erschienen Buch. Als eine der größten Bedrohungen für die Menschheit machte Gore schon damals das Molekül Kohlendioxid aus. "Seit Beginn der industriellen Revolution haben wir immer größere Mengen an Kohlendioxid produziert" und Kohlendioxid würde zum Glashauseffekt - also zu einer Klimaveränderung gigantischen Ausmaßes führen.

Von Rio nach Katowice

1992 war auch das Jahr, in dem auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das Thema Umwelt auf die Agenda der Weltpolitik gehoben wurde. Im selben Jahr wurde die UN-Klimakonvention UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) aus der Taufe gehoben, nachdem das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit 1988 die wissenschaftliche Basis für die Klimadebatte lieferte. In Kyoto wurde 1997 das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, in dem sich die Staaten darauf einigen, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu beschränken.

2006 tourte Al Gore mit seinem Buch "Eine unbequeme Wahrheit" durch die Lande, der gleichnamige Film gewann 2007 einen Oscar und den Nobelpreis dazu. Und zwar dafür, dass er "zu einem breiteren Wissen über den vom Menschen verursachten Klimawandel beigetragen und die Basis für Maßnahmen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken gelegt haben", wie das Komitee argumentierte.

"Schlimmer, als Sie denken!"

Das Thema rückte auf der internationalen Agenda immer weiter nach oben, bis sich bei der Klimakonferenz in Paris im Jahr 2015 die Staatengemeinschaft auf Maßnahmen einigte, die die Temperaturerhöhung auf 1,5°C begrenzen sollte. Binnen dreißig Jahren müssten die Industriestaaten ihren CO2-Ausstoß auf nahe null reduzieren. Doch die Fortschritte in der Klimadebatte blieben bescheiden: Bei den jährlich stattfindenden Klimakonferenzen wurde nicht viel erreicht: Wer sich vor Augen führt, wie wenig seit der ersten Klimakonferenz in Berlin im Jahr 1995 passiert ist, lässt jede Hoffnung fahren.

In seinem Film "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" aus dem Jahr 2017 sieht man Al Gore in Outdoorkleidung, Bergschuhen und mit grauer Baseballkappe, wie er vor rapide abschmelzenden Gletschern in Grönland steht und sagt: "Es ist frustrierend. Seit Jahren versuche ich jetzt, ein Bewusstsein zu schaffen, dass wir, was das Weltklima betrifft, dringend handeln müssen. Aber es passiert nicht schnell genug. Und ich komme nicht umhin, das durchaus immer wieder als persönliches Versagen zu empfinden. Ich müsste sonst lügen." Kaum ist der Satz verklungen, stürzen tonnenschwere Gletschermassen in sich zusammen.

Doch nun wird aus Frustration Panik. Und - wie der Journalist David Wallace-Wells vom "New York Magazine" in seinem Buch "The Uninhabitable Earth" schreibt - ist der Klimawandel kein moralisches, ökonomisches oder ökologisches Gigatonnen schweres Erbe an Treibhausgasen, das wir seit dem Beginn der industriellen Revolution von unseren Vorfahren übernommen haben. Nein, mehr als die Hälfte des CO2-Ausstoßes, den wir durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre geblasen haben, geht auf die Rechnung der vergangenen 30 Jahre. "Das bedeutet, dass wir dem Planeten und seiner Fähigkeit, menschliches Leben und Zivilisation zu ermöglichen, seit dem Erscheinen von Al Gores erstem Buch genauso viel Schaden zugefügt haben wie in den Jahrhunderten - ja Jahrtausenden zuvor", schreibt Wallace-Wells. "Die Geschichte der Kamikaze-Mission der industrialisierten Welt ist die Geschichte einer einzigen Generation, die den Planeten von scheinbarer Stabilität an den Rande der Katastrophe gebracht hat." Die ersten Sätze in diesem Buch: "Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."