Denn die jahrzehntelange Untätigkeit der internationalen Politik und der Industrie hat dazu geführt, dass es keine realistische Chance mehr gibt, eine Erderwärmung um mehr als 2°C - diese Temperaturerhöhung halten Wissenschaftler für gerade noch verkraftbar -zu verhindern.

Nach dem derzeit realistisch-sten Szenario steuert der Planet Erde auf eine Erwärmung um 4,5 Grad zu.

Und Wallace-Wells ist nicht alleine: Im 2015 erschienenen Buch "Climate Shock: The Economic Consequences of a Hotter Planet" von Gernot Wagner und Martin Weitzman ist davon die Rede, dass ein 11-Prozent-Risiko besteht, dass die Erde sich bis 2050 um mehr als sechs Grad Celsius erwärmt. Die Konsequenzen solcher Katastrophenszenarien sind kaum vorstellbar: Megastädte von New York über Shanghai bis Dhaka unter Wasser, Waldbrände, Flutwellen, Überschwemmungen, Hitzewellen, Hurrikane, Ernteausfälle. Die Vereinten Nationen warnen davor, dass bis zum Jahr 2050 einer von sieben Bürgern von Bangladesch zu einem Klimaflüchtling werden könnte. Zur Erinnerung: Das südasiatische Land hat 165 Millionen Einwohner. Im Weltbankbericht "Groundswell: Preparing for Internal Climate Migration" aus dem Jahr 2018 schreiben die Autoren, dass bis zum Jahr 2050 insgesamt 140 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen geworden sein könnten, die pessimistischsten Prognosen der UNO setzen die Zahl bei bis zu einer Milliarde an. Historiker Tim Snyder warnte einmal in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" davor, dass eine aufkommende ökologische Panik direkt in die Katastrophe eines neuen Holocaust münden könnte: "Wir müssen wachsam sein, wenn eine ökologische Panik aufkommt, wenn es zur systematischen Zerstörung von Staaten kommt. In Ruanda, im Sudan trafen diese Bedingungen zu. In Syrien hatten wir ebenfalls eine massive Schwächung des Staates, Fehlernten aufgrund des Klimawandels, eineinhalb Millionen Menschen flüchteten vom Land in die Städte. Eine weitere Million Menschen flohen vor dem Bürgerkrieg im Irak."

Schülerprotest für das Klima

Am 1. Juni 2017 trat US-Präsident Donald Trump vor die Presse, um zu verkünden, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen werden: "Es ist Zeit, dass Youngstown, Ohio, Detroit, Michigan und Pittsburgh, Pennsylvania neben vielen anderen Orten in unserem großartigen Land vor Paris, Frankreich kommt. Es ist Zeit, dass Amerika wieder großartig wird." Freilich: Ein paar Monate später, Ende August, verheert der Sturm Hurrikan Harvey Teile der Bundesstaaten Texas und Louisiana. Der Schaden betrug rund 125 Milliarden Dollar, das ist mehr als ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs in einem Jahr, 68 Menschen starben. 2018 richteten dann die verheerendsten Waldbrände der Geschichte Kaliforniens Schäden von mehr als 3,5 Milliarden Dollar an, mehr als 766.000 Hektar (eine Fläche, die größer ist als Salzburg und Wien zusammengenommen) wurden durch die Flammen zerstört, 106 Menschen starben.

Greta Thunberg hat mit ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Jänner 2019 offenbar einen Nerv getroffen: "Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre", sagte sie. Doch während die einen Beißhemmung haben, ihre ideologischen Sturmgeschütze gegen besorgte Kinder und Jugendliche zu richten, erklärt die Schweizer "Weltwoche" die jungen Demonstranten zu "Kindersoldaten der Linken", und FDP-Politiker Christian Lindner pocht auf die Schulpflicht und rät den jungen Menschen, das Thema lieber "Profis" zu überlassen. Die meisten Profis - nämlich die Klimaforscher - sagen: Die Kids haben recht.