Die Al Noor Moschee in Christchurch. - © APAweb, Reuters, SPNA, Martin Hunter
Die Al Noor Moschee in Christchurch. - © APAweb, Reuters, SPNA, Martin Hunter

Für Neuseeland ist dies eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Der letzte Amoklauf liegt hier fast schon ein Vierteljahrhundert zurück. 1990 erschoss ein Mann 13 Menschen. Aber so etwas wie jetzt gab es noch nie. Premierministerin Jacinda Ardern spricht von "dunkelsten Tagen". Über die muslimischen Opfer sagt sie: "Neuseeland war ihre Heimat. Sie hätten sich hier sicher fühlen sollen." Sie waren es nicht.

Zumal dann auch noch bekannt wird, dass in einer zweiten Moschee, ein paar Straßen weiter, sieben weitere Menschen erschossen wurden. Wie das zusammenhängt, weiß man auch nach vielen Stunden noch nicht. Auf die Frage, ob das alles koordiniert war, sagt Chefermittler Mike Bush: "Wir haben darüber keine Informationen."

Fest steht: Drei Verdächtige werden festgenommen - auch der Mann aus der Al-Noor-Moschee. Auf einem Video ist zu sehen, wie ihn Beamte aus seinem Auto zerren, einem weißen Geländewagen, und auf den Boden zwingen. Am Samstag soll er wegen vielfachen Mordes einem Richter vorgeführt werden. Seinen Namen nennt die Polizei nicht.

Haupttäter aus Australien

Der australische Premierminister Scott Morrison bestätigt jedoch, dass es sich um einen Australier handelt. Er nennt ihn einen "rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen". Ardern stuft die Tat ebenfalls als "terroristischen Angriff" ein, gerichtet gegen Andersgläubige. In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit muslimischen Glaubens: etwa 50.000, viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch.

Als der Tag in Christchurch zu Ende geht (Neuseeland ist Österreich um zwölf Stunden voraus), sind die beiden Moscheen immer noch weiträumig abgesperrt. 48 Menschen liegen mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern, auch kleine Kinder. Man weiß nicht, ob sie alle durchkommen werden. Aus Angst vor weiteren Angriffen waren die Kliniken zwischenzeitlich für Besucher gesperrt, ebenso wie Schulen und andere öffentliche Gebäude. Jetzt dürfen Familien und Freunde wieder hinein.

Die Bürgermeisterin der Stadt, Lianne Dalziel, fasst die Stimmung so zusammen: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann." Aber es trauert ein ganzes Land. Auf dem Parlamentsgebäude in Wellington, der Hauptstadt, haben sie die Flagge auf halbmast gesetzt. Und auch Neuseelands legendäre Rugby-Nationalmannschaft, die All Blacks, will nicht schweigen. Ihre Botschaft stammt aus der Sprache der Ureinwohner, der Maori: Kia kaha - Bleibt stark! (apa, dpa, afp, reuters)