Christchurch/Wellington. Nach den Angriffen auf zwei Moscheen in Neuseeland mit fast 50 Toten ist der mutmaßliche Attentäter des Mordes angeklagt worden. Der 28-jährige Australier Brenton Harrison Tarrant erschien am Samstag in Handschellen und weißer Gefängniskleidung vor einem Gericht in Christchurch. In der Stadt hatte er der Anklage zufolge zuvor den schlimmsten Massenmord in der Geschichte des Landes begangen. Er soll das nächste Mal am 5. April vor Gericht stehen. Nach Polizeiangaben werden dann wahrscheinlich weitere Anklagen gegen ihn erhoben.

Die Behörden halten Tarrant für einen Gewalttäter aus rassistischen Motiven. Darauf deuten seine Auftritte in sozialen Medien hin. Videobilder des Angriffs auf eine der beiden Moscheen wurden live über Facebook übertragen. Außerdem wird dem mutmaßlichen Täter ein von ihm so bezeichnetes im Internet veröffentlichtes "Manifest" zugeschrieben, in dem Einwanderer als "Invasoren" verurteilt werden.

"Monster der Willenskraft"

Der Attentäter von Neuseeland hat laut der Zeitung "The Australian" früher als Fitnesstrainer gearbeitet. Schon damals soll der Australier merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben, berichtete das Blatt am Samstag unter Berufung auf Nachbarn und Online-Einträge des heute 28-Jährigen. Im Jahr 2011 habe der Mann über sich geschrieben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel."

In einem anderen Eintrag aus demselben Jahr heißt es demnach: "Ich dirigiere jeden Tag Fitness-Kurse mit mehr als 20 Leuten, die mich die ganze Zeit anschauen, mir Fragen stellen und 60 Minuten lang meine Bewegungen nachmachen. Und ich genieße das. Mein Selbstbewusstsein ist durch die Decke. Ich bin die stärkste Person der Stadt." Als Lieblingsbeschäftigungen habe er damals Videospiele und "Stripperinnen mieten" genannt.

Ehemalige Nachbarn in der Gemeinde Grafton beschrieben ihn demnach als jemanden aus einer "schönen Familie". Er sei ein netter junger Mann gewesen. Die Mutter war dem Zeitungsbericht zufolge Englisch-Lehrerin, der Vater nahm an Triathlon-Wettbewerben teil. Die Familie selbst wollte dem "Australian" zufolge nicht über den Mann sprechen.

Zwei weitere Personen in Gewahrsam

Die Polizei nahm auch zwei andere Personen in Gewahrsam. Ob sie in die Angriffe involviert seien, werde noch geprüft. Keine der drei festgenommenen Personen habe eine kriminelle Vergangenheit oder werde auf Beobachtungslisten in Neuseeland oder Australien geführt. Medienberichten zufolge lebte Tarrant in der Stadt Dunedin, die sich ebenso wie Christchurch auf der Südinsel Neuseelands befindet, und war Mitglied in einem Schützenverein.

Nach Behördenangaben erschoss der Attentäter in der ersten Moschee zunächst 41 Menschen während des Freitagsgebets. Von diesem Angriff wurden die Bilder im Internet veröffentlicht. Anschließend fuhr der Schütze in sieben Minuten zu der anderen Moschee, wo er sieben weitere Menschen tötete. Zudem starb von den insgesamt mehr als 40 Verletzten eine Person später im Krankenhaus. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern sprach von einem terroristischen Akt.

Weitere Attacken waren geplant

Tarrant wurde nach Auskunft der Polizei 36 Minuten nach dem ersten Notruf in einem Auto festgenommen. Dort hätten sich zwei weitere Feuerwaffen befunden, sagte Ardern. "Er hatte absolut die Absicht seinen Angriff fortzusetzen." Tarrant habe einen Waffenschein besessen. In seinem Gebrauch seien angeblich fünf Waffen gewesen, darunter zwei halbautomatische Waffen und zwei umgebaute Gewehre.

Ardern kündigte eine Verschärfung des Waffenrechts an. So werde ein Verbot halbautomatischer Waffen erwogen. In der Vergangenheit scheiterten strengere Gesetze am Widerstand einer starken Waffenlobby, die sich auf die ausgeprägte Jagdkultur des Landes stützen konnte. (reuters, apa, dpa)