Beira/Wien. (klh) Kinder mit Hungerbäuchen, Straßenverkäufer mit zerfetzten T-Shirts, Slumsiedlungen, in denen auf den improvisierten Gehwegen Papierfetzen, Plastikflaschen und sonstige Abfälle herumliegen: In Mosambik begegnet man immer wieder Bildern der Armut, schließlich gehört der Staat im südöstlichen Afrika laut Vereinten Nationen zu den zehn am wenigsten entwickelten der Welt.

Dass nun dieses Land besonders von dem Zyklon "Idai" getroffen wurde, macht diese Katastrophe noch katastrophaler. Begleitet von massiven Regenfällen war der Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometer vergangene Woche an Land gerast und hat für immense Verwüstungen gesorgt. Die UNO sprach bereits von der möglicherweise schlimmsten Wetterkatastrophe, die die südliche Hemisphäre je erlebt habe.

Mosambiks Regierung, die den Notstand und eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen hat, rechnet mit etwa 1000 Toten, und das Rote Kreuz spricht von 400.000 Obdachlosen. Doch diese Zahlen werden vielleicht nach oben korrigiert werden müssen. Denn das Ausmaß der Zerstörungen wird erst nach und nach sichtbar und könnte noch viel schlimmer sein, als es ohnehin schon befürchtet wird.

So hat der Wirbelsturm mit Beira eine Stadt mit einer halben Million Einwohnern fast gänzlich überflutet und vielerorts dem Erdboden gleichgemacht. Lichtmasten und Bäume sind umgestürzt, Getreidespeicher wurden zerstört, Strom- und Wasserversorgung funktionierten am Mittwoch noch immer nicht. Der einzige Ort mit intakten Internet- und Mobilfunkverbindungen ist der Flughafen.

Menschen auf den Dächern

Von dort aus konnten auch die örtlichen Mitarbeiter von "Licht für die Welt" mit dem Büro der Hilfsorganisation in Wien Kontakt aufnehmen. "Sie haben berichtet, dass noch immer tausende Menschen auf Dächern ausharren und darauf warten, gerettet zu werden", berichtet Klaus Minihuber, der Programm-Manager für Mosambik, der "Wiener Zeitung". Die Menschen versammeln sich auf den Dächern, die noch übrig sind, denn diese wurden vielerorts abgetragen. Und vor allem in den ärmeren Vierteln wurden ganze Häuser zerstört.

Auch im Hinterland ist die Situation verheerend. Vor allem der südwestlich von Beira gelegene Bezirk Buzi, in dem 150.000 Menschen leben, "macht uns ganz große Sorgen", sagt Minihuber. "Dort gibt es weiträumige Überflutungen, und die Flüsse transportieren immer neue Wassermassen in die Region." Doch ein ganz klares Bild von der Lage hat man nicht, weil die Informationen aus der Region oft spärlich sind - Luftaufnahmen lassen aber das Schlimmste vermuten.