Die Katastrophe ist noch lange nicht vorbei. Vor einem Monat ist der Wirbelsturm Idai in Mosambik an Land gestoßen und hat dort verheerende Zerstörungen hinterlassen. Bisher sind 600 Todesopfer zu beklagen, rund 4000 Choleraerkrankungen wurden gezählt, doch täglich steigen die Zahlen. Jennifer Bose von der Hilfsorganisation Care ist gerade aus der Krisenregion zurückgekehrt und berichtete nun der "Wiener Zeitung" von der Situation vor Ort.

"Wiener Zeitung": Sie waren in Beira im Einsatz. Die Stadt wurde massiv vom Zyklon Idai getroffen. Wie hat sich die Lage dort dargestellt?

Jennifer Bose: Die Folgen des Wirbelsturms sind noch ganz stark sichtbar. Vor allem die Slumregionen sind massiv betroffen: Dort stand das Wasser bis vor kurzem noch sehr hoch, die Häuser sind zerstört, und es fehlen funktionierende Toiletten. Der Boden ist voller grüner Pfützen, die sehr verseucht aussehen, alles ist voller Matsch und Schlamm, worin Kinder spielen.

Welche Risiken bringt das für die Leute mit sich?

Es gibt derzeit eine große Seuchengefahr. Stehendes Wasser ist tödlich - dadurch können sich nämlich Durchfallerkrankungen, Malaria und Cholera schnell ausbreiten. Die Zahl der Cholera-Fälle ist in den letzten Wochen massiv gestiegen. Die Impfstoffe sind zwar in Mosambik eingetroffen, eine Impfkampagne wurde gestartet und Cholera-Zentren wurden eingerichtet. Aber es ist noch immer ein Wettlauf gegen die Zeit.

Kommen die Leute in den zerstörten Gebieten überhaupt an sauberes Wasser heran?

Ich habe mit Frauen gesprochen, die mir gesagt haben, dass sie zu Hause kein Wasser mehr hatten und deshalb zu öffentlichen Wasserstellen, zu Brunnen gegangen sind. Dort war das Wasser verseucht, weshalb manche Kinder Cholera bekommen haben. Care und andere Hilfsorganisationen haben aber mittlerweile Notunterkünfte aufgebaut, dort versorgen wir die Menschen mit sauberem Trinkwasser.

Wie gestaltet sich überhaupt der Alltag der Menschen, deren Häuser in Trümmern liegen? Wo leben sie nun?

Viele von ihnen sind in den ersten Tagen in Schulen, Kirchen und anderen Gebäuden untergekommen, die stehengeblieben sind. Die Schulen wurden nun wieder geöffnet, weshalb die Menschen, die dort untergebracht waren, nun in Not- und Zeltunterkünfte weitergezogen sind. In den Zeltstädten leben derzeit in Mosambik rund 70.000 Leute. Gleichzeitig haben Betroffene auch Baumaterial bekommen, um ihre Häuser wieder aufzubauen. Insgesamt ist es ein Monat nach dem Ausbruch der Krise noch immer so, dass die Menschen Grundlegendes brauchen, um ihr Leben wieder zu starten - sie benötigen noch immer Essen, sauberes Trinkwasser und medizinische Unterstützung.