Rio de Janeiro. Die beiden Männer sitzen vorne auf dem Boot und blicken stoisch auf den Fluss, der sich durch den Regenwald schlängelt. Pfeile und Bogen haben die "Krieger" mit an Bord. "Das ist ein notwendiger Schutz", erläutert Kawore, der Anführer vom indigenen Volk der Parakanã. Von São Félix de Xingu geht es in das indigene Gebiet "Apyterewa". Dort angekommen zeigen die beiden Parakanã gleich auf mehrere Flächen, an denen "Eindringlinge" Wald abgeholzt haben. Der Rechtsaußen-Präsident Jair Bolsonaro ist erst seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt, die ersten Auswirkungen spüren die Parakanã aber bereits: Die staatlichen Behörden verfolgen ihre Anzeigen nicht mehr. Zudem übertrug er in einer seiner ersten Amtshandlungen die Zuständigkeit für die indigenen Gebiete dem Landwirtschaftsministerium und die "Nationale Indigenen-Stiftung" (Funai) dem neuen Ministerium für Frauen, Familie und Menschenrechte.

Das dritte Großprojekt

ist in Planung

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Der "Indigene Missionsrat", dem der Österreicher Erwin Kräutler vorstand, ist nun eines der wenigen Organe, dem die Indigenen in ihrem Kampf noch vertrauen. Es ist ein jahrhundertealter Kampf gegen Großgrundbesitzer, Holzfäller, Goldsucher, Kraftwerksbauer und Sojapflanzer, in dem es fast immer um Land geht.

Im Bundesstaat Pará im Nordosten Brasiliens prallen ursprüngliche indigene Lebenweise und industrialisierte Welt besonders heftig aufeinander. Es begann mit der Straße "Transamazônica", die Atlantik- und Pazifikküste verbindet und im Bundesstaat Pará etwa von Marabá nach São Felix do Xingu führt. Mti dem Wasserkraftwerk "Belo Monte" mit zwei Stauseen in der Größe des Bodensees folgte der zweite große Eingriff. Die Goldmine des kanadischen Konzerns Belo Sun ist das jüngste Projekt. "Im Vergleich zu diesem ist Belo Monte Peanuts ", sagt der Austrobrasilianer Kräutler in Altamira der "Wiener Zeitung" (Interview siehe Seite 7). "Dom Erwin", der 1965 nach Amazonien kam, hat als Bischof der Territorialprälatur Xingu gegen das Kraftwerk gekämpft, im Ruhestand kämpft er gegen die Mine. Belo Sun möchte binnen zwölf Jahren 60 Tonnen Gold schürfen. Kräutler hält das für "absurd und kompletten Unsinn". Wenn man sich beschwere, könne es sein, sagt der Ehrenbürger Altamiras und Träger des Alternativen Nobelpreises, dass es heißt: "Wir zeigen dich an."

Doch im schwer kontrollierbaren Norden bleibt es nicht immer bei Drohungen. Lokale Clans engagieren Killer, machen eigene Gesetze. Pará ist einer der gefährlichsten Bundesstaaten Brasiliens. Am Bischofssitz Kräutlers hängt ein Foto der Ordensschwester Dorothy Stang, die 2005 im Auftrag von Großgrundbesitzern erschossen wurde. Erst am 22. März wurde Dilma Ferreira Silva, Aktivistin bei der "Bewegung der von Staudammbauten Betroffenen", brutal ermordet.