Das Leben der Anderen: Unter "Benposta" breitet sich Bogotá aus.
Das Leben der Anderen: Unter "Benposta" breitet sich Bogotá aus.

Bogotá. Manchmal ist es vielleicht auch nur ein Blick, der hilft, eine verletzte Seele zu heilen. Und der Blick ist atemberaubend hoch oben über diesem Millionen-Moloch. Auf fast 3000 Metern liegt die Einrichtung "Benposta", in der junge Seelen wieder lachen, fühlen und vertrauen lernen. Von hier aus schweift der Blick von den Berghängen der Anden hinüber über die Hochebene Bogotás, der Neun-Millionen-Metropole, die sich auf diesem Plateau ausbreitet wie ein riesiger Flickenteppich. Der Wind weht sanft über die grünen grasbewachsenen Hügel, die Strahlen der Nachmittagssonne schmiegen sich an die Hänge und erzeugen ein warmes, behagliches Licht.

"Ich habe manchmal eine solche Wut", sagt Maria (19, Name von der Redaktion geändert), wenn sie über den Krieg spricht. "Der Krieg hat mir so viel weggenommen, meine Eltern, meine Geschwister, das Zuhause, die Umarmungen, das Gefühl, dass du unterstützt wirst, wenn du es brauchst, die Ausbildung."

Gebracht hat ihr der Krieg das Gefühl der Einsamkeit, der Hilflosigkeit, der Ohnmacht. Maria ist eine von dutzenden jungen Opfern des bewaffneten Konfliktes, die Zuflucht gefunden haben, im Projekt "Benposta" in der kolumbianischen Hauptstadt. Und die ein neues Leben angefangen hat, wie alle Kinder und Jugendlichen, die dem nimmersatten Rachen des Krieges und der Gewalt in Kolumbien entkommen konnten.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Es ist nicht nur der Höhenunterschied, der die Bewohner Benpostas von jenen weiter unten in Bogotá unterscheidet. Es ist die Erfahrung, Krieg zu führen, zu töten, zu entführen, zu vergewaltigen oder eben das alles selbst zu erleiden, während andere im gleichen Alter an ihren Computern spielen und in die Schule gehen. Es sind zwei Welten von denen der da unten, die etwas mehr Glück im Leben hatten, und denen da oben, die das Schicksal hineingezogen hat in den abgrundtiefen Strudel von Gewalt, Tod und Vernichtung.

Zusammen Musik zu machen lehrt das Miteinander. - © Tobias Käufer
Zusammen Musik zu machen lehrt das Miteinander. - © Tobias Käufer

"Wir wollten einen Raum schaffen, wo die Mädchen und Jungen die Entscheidungsgewalt über ihre eigenen Leben zurückzuerhalten. So ist die Idee von "Benposta" entstanden", erklärt Koordinator Juan Sebastián Campos (29) die Anfänge des Projektes.

Die Idee einer Kinderrepublik kommt ursprünglich aus Spanien: Im Jahr 1952, in den Wirren der spanischen Franco-Diktatur, hatte der Pater Jesús Cesar Silva die Idee, als ihn das Leid zahlreicher Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, zu dem Projekt "Benposta" inspirierten. Auch in Kolumbien sind die Kinder die ersten Opfer des gewaltsamen Konfliktes, der seit mehr als einem halben Jahrhundert zwischen linken Guerillagruppen, rechten Paramilitärs und der regulären Armee des Staates tobt.