Der fragile Friedensvertrag

All das liegt wie Blei über Benposta, der "Nation der Jugend und Mädchen", wie das Projekt sinngemäß heißt. Die Einrichtung nimmt alle Kindersoldaten auf, wie Koordinator Campos erklärt. "Unserer Erfahrung nach sind die Schlüsselpersonen für die Entscheidung eines Kindersoldaten, nach "Benposta" zu kommen, die Mütter. Sie schaffen es, dem Krieg die Kinder zu entreißen." Die Sorge der Mütter um ihre Kinder ist die einzige Kraft, die noch stärker ist als die brutale und tödliche Dynamik innerhalb der Milizen.

Hier in "Benposta", so erklärt es Campos, lernen die Kinder, ihre Entscheidungen wieder selbst zu treffen. Denn im Krieg und in den Milizen entscheiden die Kommandanten und die Realitäten des Krieges. Jetzt beraten die Jugendlichen, sie wählen einen eigenen Bürgermeister, eine eigene Dorfvertretung. Sie lernen Demokratie, die Meinung der anderen zu respektieren, auch jener, die vielleicht einmal ihre Feinde waren. Ihre Zimmer sind nach berühmten Figuren der Zeitgeschichte wie Nelson Mandela benannt. Sie kochen gemeinsam, pflegen die Pferde, die Hunde, sie verlieben sich ineinander, vor allem aber heilen sie ihre Seelen. Bis sie reif sind für ein neues, selbstbestimmtes Leben, außerhalb der geschützten Mauern von "Benposta", dem sanften Wind und den wärmenden Sonnenstrahlen. Dann geht es nach unten, hinunter in die große Stadt, in die andere reale Welt mit ihren Stolpersteinen und Fallstricken.

Rund 300.000 Tote hat der bewaffnete Konflikt in Kolumbien gekosten. Millionen Menschen sind aus ihrer Heimat vertrieben worden. Was aber nie gezählt wurde, sind die unzähligen verletzten Seelen der Kinder und Jugendlichen, denen der Krieg die Kindheit und damit auch die Zukunft entrissen hat.

Umso beeindruckender ist, was Maria sagt, wenn sie über ihr Leben in "Benposta" spricht. Die Energie und Zuversicht, die sie ausstrahlt, nachdem sie den Mut und eine Perspektive wiedergefunden hat. "Was ich hier mitgenommen habe, ist, dass, egal was dir im Leben passiert, es immer noch einen Ausweg gibt. Immer noch eine Möglichkeit, da rauszukommen und nach vorne zu schauen." Damit hat sie der kolumbianischen Politik einiges an Lebensmut und Weisheit voraus.