Söhne eines reichen Gewürzhändlers aus Sri Lanka

In Colombo glaubt niemand, dass die NTJ allein die Anschläge verübt hat. Die weitgehend unbekannte NJT war bislang nicht auf dem Radar der Behörden aufgetaucht. Die 2014 in Kattankudy, im Osten der Insel gegründete Gruppe galt als mehr Spinnertrupp, die das Burka-Tragen für Frauen durchsetzen wollten. Doch ihr Gründer, Zahran Hashim alias Abu Ubaida, soll derjenige Selbstmordattentäter gewesen sein, der sich im schicken Restaurant des Shangri-La-Hotels mit Militärsprengstoff in die Luft sprengte. Sein Bruder soll den Anschlag im Cinnamon Grand-Hotel verübt haben. Die beiden Brüder stammen aus einer reichen Familie von Gewürzhändlern. Alle sieben Selbstmordattentäter waren Bürger von Sri Lanka.

Offenbar war noch ein Anschlag auf ein fünftes Hotel in Colombo geplant gewesen. Am Dienstag schloss das Shangri-La ohne eine Vorwarnung seine Türen für Gäste.

Indien und die Vereinigten Staaten hatten Sri Lanka bereits Anfang April konkrete Warnung zukommen lassen, wonach die NJT zu Ostern Anschläge plante. Die Regierung in Sri Lanka, die sich mehr Sorgen um eine Wiedergeburt der Tamil-Tiger-Separatisten machte, nahm die Warnungen offenbar nicht ernst.

Sri Lankas muslimische Gemeinschaft, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, galt doch als moderat und trat bislang nicht durch radikale Ansichten in Erscheinung.

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Aber in den letzten Jahrzehnten war das Leben für Muslime keineswegs rosig gewesen. Während des Bürgerkrieges hatten tamilischen Separatisten im Norden und Osten des Landes große Teile der muslimischen Bevölkerung brutal vertrieben.

Nach Ende des Bürgerkrieges waren es die siegreichen Singhalesen, die mehrheitlich buddhistisch sind, die die Muslime ausgrenzten, angriffen und schikanierten. Bei mehrtägigen antimuslimischen Ausschreitungen 2014 wurden in Sri Lanka mindestens vier Menschen getötet und 80 verletzt.

Muslim-Rat warnte Behörden vor drei Jahren vor der NJT

All dies bietet einen idealen Nährboden für Radikalisierung junger Muslime. Dies blieb auch der muslimischen Gemeinschaft selbst nicht verborgen. Hilmy Ahamed, Vizepräsident des Muslim-Rates von Sri Lanka, hatte die Behörden bereits vor drei Jahren persönlich vor der NJT gewarnt, nachdem er auf ihre Hasspostings in den sozialen Medien gestoßen war.

Mit dem islamischen Terror könnte das Land wieder in den Sog ethnischer und religiöser Gewalt gezogen werden. In diesem Jahr stehen Präsidentschafts-Wahlen an. Hardliner Mahinda Rajapaksa, der wie kein anderer Politiker für das Erstarken des singhalesischen Nationalismus steht, könnte gute Chancen auf einen Sieg haben. Rajapakse könnte gezielt antimuslimische Stimmungen fördern, um zurück an die Macht zu kommen, und so neue ethnische und religiöse Gräben aufmachen.