Colombo. Kurz bevor Sri Lankas Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene Journalisten mitteilte, dass einer der neun Attentäter vom Terroranschlag am Ostersonntag eine Frau gewesen war, schreckte die Meldung einer Explosion in einem Kino in der Hauptstadt Colombo auf. Dabei handelte es sich jedoch nach Angaben der Polizei um eine kontrolliert durchgeführte Explosion. Ein verdächtiger Motorroller, der beim beliebten Savoy Kino geparkt hatte, wurde detoniert, teilte die Polizei mit. An dem Fahrzeug seien keine Sprengsätze gewesen.

Attentäter hatten im Ausland studiert

Die Selbstmordattentäter waren wohlhabend und hatten im Ausland studiert. Die meisten von ihnen seien gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört, sagte Wijewardene weiter in der Pressekonferenz. Einer der Attentäter habe vermutlich in Großbritannien und Australien studiert und sei danach nach Sri Lanka zurückgekehrt.

Während noch über den Terror zu Ostern getrauert wird, gibt es weitere Festnahmen von Verdächtigen - und die Angst vor neuen Anschlägen bleibt groß. - © APAweb/AFP, Arif Ali
Während noch über den Terror zu Ostern getrauert wird, gibt es weitere Festnahmen von Verdächtigen - und die Angst vor neuen Anschlägen bleibt groß. - © APAweb/AFP, Arif Ali

Die USA dementierten unterdessen vorherige Kenntnis von der tödlichen Anschlagserie in Sri Lanka gehabt zu haben. "Wir wussten nichts von diese Anschlägen", sagte US-Botschafterin Alaina Teplitz dem US-Fernsehsender CNN am Mittwoch. Bei den Bombenanschlägen wurden mindestens vier US-Bürger getötet.

Ein Minister Sri Lankas hatte Anfang der Woche gesagt, Indien und die USA hätten seiner Regierung vor den Anschlägen Informationen zukommen lassen. Botschafterin Teplitz verneinte dies nun: "Ich weiß nicht, welche anderen Informationsquellen die Regierung Sri Lankas hat. Ich kann ihnen nur sagen, dass wir keine vorherige Kenntnis hatten", sagte sie CNN. Die Regierung von Sri Lanka habe Fehler beim Sammeln und Weitergeben von Geheimdienstinformationen zugegeben, fügte sie hinzu.

Wenige Stunden zuvor hat die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Anschläge zu Ostern in Sri Lanka mit Nachdruck für sich beansprucht. Der IS veröffentlichte am Dienstag die Kampfnamen sowie ein Foto und ein Video der angeblichen Täter. Die Regierung hat die Anschlagsserie dagegen lange einer einheimischen Gruppierung zugeschrieben. Mehrere Verdächtige sind offenbar noch auf der Flucht und könnten weitere Anschläge verüben.

"Diejenigen, die den Angriff ausgeführt haben, der vorgestern Mitglieder der US-geführten (Anti-IS-)Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates", hieß es in einer Mitteilung, die das IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq veröffentlichte.