Kinshasa. Rund zehn Monate nach Beginn der Ebola-Epidemie im Osten des Kongo ist die Zahl neuer Erkrankungen wegen anhaltender Angriffe auf Helfer stark angestiegen. Ende März zählten die Behörden etwa 1000 Krankheitsfälle, inzwischen sind es rund 1500. Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen von 630 auf rund 970.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, zeigte sich nach einem Besuch in der betroffenen Stadt Butembo "zutiefst beunruhigt". Er betonte: "Die Zahl der Erkrankungen steigt wegen Gewalttaten an, die uns jedes Mal wieder einen Rückschlag versetzen." Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun.

In der vergangenen Woche habe man 126 bestätigte Neuerkrankungen des hämorrhagischen Fiebers und 83 Todesfälle registriert, berichtete das Gesundheitsministerium in Kinshasa. So viele neue Fälle in einer Woche habe es zuvor noch nicht gegeben. "Diese neuen Fälle sind beunruhigend", sagte Kongos Koordinator für den Kampf gegen Ebola, Aruna Abedi. Die Epidemie könne noch lange andauern, solange sich die Bevölkerung nicht an die Hygieneempfehlungen der Behörden halte, warnte Abedi.

Helfer tun sich schwer, den Ausbruch in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri einzudämmen, weil in der Region zahlreiche Milizen aktiv sind. Es gab wiederholt auch Angriffe auf Versorgungszentren - erst vergangene Woche wurde ein Arzt getötet. Nach Angriffen wird der Hilfseinsatz zumeist zeitweise ausgesetzt, um die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. In dieser Zeit steigt die Zahl der Neuerkrankungen jedoch wieder an.