"An Bord der Maschine des Typs Suchoi Superjet-100 waren 78 Menschen, einschließlich der Besatzungsmitglieder", erklärte der russische Untersuchungsausschuss am Sonntagabend. - © APAweb/REUTERS
"An Bord der Maschine des Typs Suchoi Superjet-100 waren 78 Menschen, einschließlich der Besatzungsmitglieder", erklärte der russische Untersuchungsausschuss am Sonntagabend. - © APAweb/REUTERS

Moskau. Bei dem Brand einer russischen Aeroflot-Maschine am Moskauer Flughafen Scheremetjewo sind 41 Menschen ums Leben gekommen. Das sagte eine Sprecherin des Ermittlungskomitees am Montag (Ortszeit). Zunächst war nach der Notlandung von 13 Todesopfern die Rede gewesen. Unter den Toten sei auch ein Mitglied der Crew, hieß es. Die genaue Unfallursache war zunächst unklar.

"An Bord der Maschine des Typs Suchoi Superjet-100 waren 78 Menschen, einschließlich der Besatzungsmitglieder", erklärte der russische Untersuchungsausschuss am Sonntagabend. "Nach aktualisierten Informationen haben 37 von ihnen überlebt." Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden auch mindestens zwei Kinder. Viele der Verletzten erlitten Rauchgasvergiftungen, wie Rettungskräfte mitteilten.

Flugschreiber gefunden

Die Aeroflot-Maschine nach der Notlandung. - © APAweb / REUTERS, Polomoshnova
Die Aeroflot-Maschine nach der Notlandung. - © APAweb / REUTERS, Polomoshnova

Am Tag nach einem Flugzeugbrand in Moskau mit 41 Toten sollten die beiden Flugschreiber der verunglückten Maschine ausgewertet werden. Beide seien im Wrack entdeckt worden, hieß es am Montag der Agentur Interfax zufolge aus Sicherheitskreisen. Das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee (MAK) kümmere sich um die Auswertung, die jedoch mehrere Tage dauern könne.

Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche, was für Ermittler sehr wichtig ist bei der Klärung der Unfallursache. Die sogenannten Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Das Flugzeug hatte nach ersten Erkenntnissen kurz nach dem Start am Sonntagabend technische Probleme. Bisher geht die staatliche Aeroflot-Gesellschaft davon aus, dass ein Signalfehler bei der Maschine auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands den Piloten zum Umkehren zwang. - © Grafik: APA
Das Flugzeug hatte nach ersten Erkenntnissen kurz nach dem Start am Sonntagabend technische Probleme. Bisher geht die staatliche Aeroflot-Gesellschaft davon aus, dass ein Signalfehler bei der Maschine auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands den Piloten zum Umkehren zwang. - © Grafik: APA

Medien berichten von einem möglichen Motorschaden

Das Flugzeug hatte nach ersten Erkenntnissen kurz nach dem Start am Sonntagabend technische Probleme. Bisher geht die staatliche Aeroflot-Gesellschaft davon aus, dass ein Signalfehler bei der Maschine auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands den Piloten zum Umkehren zwang. Medien berichteten auch von einem möglichen Motorschaden. Es gab aber auch Augenzeugenberichte, nach denen ein Blitz in dem Flugzeug eingeschlagen haben soll.

Die Suchoi Superjet-100 ist die erste Neuentwicklung des russischen Flugzeugbaus nach dem Ende der Sowjetunion, der Kurzstreckenflieger ist seit 2011 zugelassen. Aeroflot hatte erst im Herbst den Kauf von weiteren 100 Jets des Typs angekündigt.

Als die Maschine mehrmals auf dem Rollfeld aufprallte, platzte nach ersten Ermittlungen auch der voll befüllte Tank. Der hintere Teil der Maschine stand komplett in Flammen und zog eine dicke Rauchwolke hinter sich her. An Bord der Maschine brach Panik aus, wie auf einem Video zu hören und zu sehen war.

Der Flughafen und der Zivilschutz erklärten, das Feuer sei schnell gelöscht worden. Zahlreiche Passagiere hätten das Flugzeug über Notrutschen verlassen, teilte die Aeroflot mit.

Präsident Wladimir Putin ordnete eine gründliche Aufklärung an. Er und Regierungschef Dmitri Medwedew sprachen den Angehörigen der Todesopfer ihr Beileid aus. Den Überlebenden sicherten sie Hilfe zu. Zunächst wurden einige Maschinen auf andere Moskauer Flughäfen umgeleitet, der Betrieb in Scheremetjewo war teilweise am Sonntagabend wieder aufgenommen worden.

Seit 2017 in Betrieb

Der Suchoi Superjet-100 (SSJ-100) ist der Stolz der russischen Luftfahrt, die erste Neuentwicklung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor gut 30 Jahren. Seit 2011 sind die Maschinen im Einsatz. Immer wieder gab es Berichte über Pannen und Zwischenfälle. Doch ein vergleichbares Unglück hat es mit dem Flugzeugtyp bisher nicht gegeben.

Der Verkauf läuft schleppend – vor allem international hatte Russland auf einen Absatz der Mittelstreckenflugzeuge gehofft. Die nun verunglückte Maschine war 2017 in Betrieb genommen worden, im April war die letzte Inspektion, wie die Agentur Tass unter Berufung auf Luftfahrtkreise meldete. Die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot hatte erst im vergangenen Herbst den Kauf von weiteren 100 Jets des Typs angekündigt. (apa, dpa, reuters)