Washington. Für US-amerikanische Frauen war es ein Meilenstein: Die Entscheidung aus dem Jahr 1973, als der nationale Oberste Gerichtshof der USA gegen die Bundes-Gesetzgebung in Texas ein Urteil fällte, das Schwangerschaftsabbrüche im ganzen US-Gebiet erlaubte.

Die Entscheidung "Roe v. Wade" ist seitdem ein stehender Begriff in der US-amerikanischen Politik und Jurisdiktion. Namensgebend war einerseits der texanische Staatsanwalt Henry Wade, der die Gesetze seines Bundesstaates vertrat und auf der Verliererseite war. Siegerin war eine "Jane Roe", (in Anlehnung an "John Doe", das amerikanische Pendant zu Max Mustermann). Eine Jederfrau, die um das Recht des Schwangerschaftsabbruchs kämpfte. Die damalige Betroffene war eine 22-jährige, die schon zwei Kinder zur Adoption hergeben musste.

1973 erklärte also der US-Supreme Court, dass das Recht auf Abtreibung ein Grundrecht auf Privatleben sei und damit nicht verboten werden darf.

Nur die Auslegung beziehungsweise Beschneidung dieses Rechts, das sei wiederum die Sache der US-Bundesstaaten - und davon gibt es je nach Lesart 50 bis 52 (wenn man die Gebiete Washington D.C. und Puerto Rico mitzählt).

Diese Frau setzt sich für das Verbot ein. - © Getty Images/afp/Gibson
Diese Frau setzt sich für das Verbot ein. - © Getty Images/afp/Gibson

Und in den meisten der Bundesstaaten ist der Gesetzgeber mit der Zeit äußerst kreativ geworden, was die Einführung von Hürden beim Schwangerschaftsabbruch betroffen hat.

Der Supreme Court erlaubte den Bundesstaaten schon 1973, dass sie ab dem Zeitpunkt der sogenannten Lebensfähigkeit des Fötus Schwangerschaftsabbrüche verbieten können.

Hier liegt schon das erste Problem: Die Lebensfähigkeit eines Kindes nach einer Frühgeburt wird unterschiedlich bewertet, viele nehmen sie zwischen der 23. und 28. Schwangerschaftswoche an.

Zum Vergleich: In Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation sogar nur in den ersten 14 beziehungsweise 15 Wochen (errechnet ab dem letzten Menstruationstag) möglich. Eine ausgetragene Schwangerschaft dauert im Normalfall 40 Wochen.

Der Oberste Gerichtshof in den USA hat seitdem immer wieder neue Ausnahmen gemacht bei der Beschneidung der Rechte zum Abbruch. Mehr als ein Drittel der US-Bundesstaaten hatten damals ein Verbot des Abbruchs 20 Wochen nach der Befruchtung eingeführt (für medizinisch indizierte Abbrüche gelten oft andere Fristen).

Doch nun, unter dem US-Präsidenten Donald Trump, werden diese Zeiträume systematisch zurückgedrängt. 19 Bundesstaaten - mehrheitlich aus den Südstaaten - haben inzwischen versucht, ein sogenanntes "Herzklopfen"-Gesetz einzuführen. In drei Bundesstaaten ist es heuer, 2019, auch Gesetz geworden - nämlich in Ohio, Mississippi und Georgia. Der Gouverneur von Mississippi hat diesen März das Gesetz unterzeichnet. Es gilt ab Juli. Vorläufig - weil es sein kann, dass diese Gesetze noch vor den Supreme Court gebracht werden, ob sie im Einklang mit der Verfassung stehen. Denn bei den Herzklopf-Gesetzen soll der Abbruch ab dem hörbaren Herzton des Fötus verboten werden. Manchmal kann das ab der sechsten Schwangerschaftswoche schon eintreten.