Pjöngjang/Wien. In den abgelegenen Regionen Nordkoreas ist die Ernährung zumeist sehr einseitig: Fast immer gibt es nur Reis mit ein bisschen weichgekochtem Gemüse. Das berichten zumindest diejenigen, Journalisten oder Diplomaten, denen es das Regime gestattet hat, in abgelegene Dörfer zu reisen.

Mittlerweile scheint aber auch das wenige Essen, das die Menschen dort haben, immer weniger, sogar lebensbedrohlich wenig zu werden: Nordkorea steht vor einer der schlimmsten Hungerkatastrophen seiner Geschichte. Das Welternährungsprogramm der UNO warnt, dass 40 Prozent der Bevölkerung, das sind rund zehn Millionen Menschen, dringend Lebensmittelhilfe benötigen. Kim Hartzner, der Gründer der deutsch-dänischen Hilfsorganisation Mission East, hat Nordkorea gerade besucht und berichtete Nachrichtenagenturen, dass er dutzenden unterernährten Kindern begegnet sei.

Diktator Kim. - © afp/kcna via kns
Diktator Kim. - © afp/kcna via kns

Keine Regen, keine Geräte für Landwirtschaft

Für diese katastrophalen Zustände gibt es mehrere Gründe. So ist der Regen ausgeblieben. Der offiziellen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zufolge sind von Jänner bis Anfang Mai nur 54,4 Millimeter Schnee und Regen pro Quadratmeter gefallen, das war der geringste Niederschlag seit 1982. Auch das Regime selbst spricht von der schlimmsten Dürre seit einem Jahrhundert.

Hinzu kommt, dass die Landwirtschaft in Nordkorea noch mit sehr einfachen Mitteln betrieben wird. "Menschen bewässern die Felder per Hand mit Eimern oder Bechern", berichtet Hartzner. Moderne Maschinen fehlen - oder sie funktionieren nicht. Für Wasserpumpen fehlen laut Hartzner oft die Ersatzteile, für Traktoren gibt es kein Benzin.

Das liegt einerseits - wie auch Nordkoreas Machthaber oft betonen - an den Sanktionen, mit denen das Land wegen seines Atomwaffenprogramms belegt ist. Andererseits hat diese Missstände auch das Regime von Kim Jong-un selbst verursacht. Denn die herrschende Kommunistische Partei pulvert ihr Geld lieber in das Militär, anstatt es für die Landwirtschaft zu verwenden. Nicht nur unterhält Nordkorea, das sich von den USA und Südkorea bedroht sieht, eine der größten Armeen der Welt. Es leistet sich auch noch ein Atomwaffenprogramm. Und das ist eine äußerst teure Angelegenheit.

Die schlechte Ernährungslage in seinem Land widerspricht freilich dem Bild des Modernisierers, das der junge Diktator Kim gerne von sich zeichnet. Allerdings ist die Bevölkerung in sehr unterschiedlicher Weise von der Lebensmittelknappheit betroffen. In der Hauptstadt Pjöngjang, in der viele Parteikader leben, ist sie viel weniger zu spüren als in abgelegenen Region, in die in der Vergangenheit potenzielle Regimegegner umgesiedelt wurden.

Für die internationale Gemeinschaft sind Hilfslieferungen an Nordkorea eine ambivalente Angelegenheit. Sie hat keine Kontrolle darüber, ob die Lieferungen wirklich bei den Bedürftigen ankommen oder nicht erst wieder von der Partei für ander Zwecke, etwa die Verpflegung von Soldaten, verwendet werden. Die Alternative wäre aber, nichts zu unternehmen und Menschen in Nordkorea hungern, im schlimmsten Fall sogar verhungern zu lassen.

Es werden daher schon Hilfslieferungen vorbereitet. Südkorea will Millionen Tonnen an Nahrungsmittelhilfe bereitstellen, was von den USA angeblich unterstützt wird. Kim wird diese Hilfe voraussichtlich auch annehmen - aber freilich wird seine Propaganda dafür sorgen, dass die Bevölkerung nichts davon erfährt, dass sein Regime auf Unterstützung von außen angewiesen ist.