Der enorme Immobilien-Boom ist einer der Wachstumsmotoren. - © AFP
Der enorme Immobilien-Boom ist einer der Wachstumsmotoren. - © AFP

Batumi/Tiflis. Stolz, beinahe andächtig steht David Ruebush, 48, kräftig, Kahlkopf, auf dem sandigen, von einem Wellblechzaun eingegrenzten Grundstück, als sei sein neuestes Bauprojekt schon fertig. In Ruebushs Hirn ist es bereits errichtet: ein luxuriöses Boutique-Hotel mit 64 Zimmern, Fitnessstudio, einem Spa-Bereich, Massageräumen, Schwimmbecken, Restaurant und Bar. Die Eröffnung von "Ruebush Gardens", in bester Lage fußläufig zum Meer und direkt am imposanten Botanischen Garten im lukrativen, grünen, noch wunderbar ruhigen Norden der Stadt gelegen, ist für Anfang 2021 geplant.

Für Ruebush, gebürtiger Texaner, wird der Bau die vorläufige Krönung einer Erfolgsgeschichte sein. Fernab seiner Heimat. "Gehen wir an den Strand", sagt er und beginnt seine Story zu erzählen. Seine Geburtsstadt Austin in Texas habe er schon früh verlassen. Gleich drei Anläufe an Unis scheiterten, um ein Studium zu absolvieren. Doch Ruebush war nie ein Faulpelz. Im Gegenteil. Der Workaholic machte sein Hobby zum Beruf: Programmieren.

Zu Beginn des Web-Zeitalters verkaufte er in den USA Autos via Internet, verdiente damit einen Haufen Geld, verlor es aber wieder durch einen Börsencrash. Er ging in die Ukraine. In Charkiw im Nordosten der Ukraine war er im Software-Geschäft tätig. Eine kluge Entscheidung: "Die Ukrainer sind tolle Programmierer. Und sie produzieren viel günstiger als in den USA."

Doch Anfang 2014 traf ihn die Krimkrise. Nach dem Sturz von Präsident Wiktor Janukowitsch am 22. Februar 2014 kam es in Charkiw zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen prorussischen Demonstranten und Unterstützern des Euromaidan. Der umtriebige Texaner verlor sein Personal. "Die Männer wollten gegen Russland kämpfen." Auch habe er "Angst vor einem ausgewachsenen Krieg zwischen der Ukraine und Russland gekriegt". David und seine ukrainische Partnerin Nina entschieden sich kurzerhand dazu, in die Stadt Batumi am Schwarzen Meer ins nahe Georgien zu ziehen. "Wir mussten einen sichereren Ort zum Leben finden."

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Das Las Vegas des Ostens

Wieder eine kluge Entscheidung. Im September 2013 habe er mit Nina das erste Mal Batumi besucht, erzählt er. "Zum Urlaub, auch um Georgien zu erkunden. Wir hatten viel von den landschaftlichen Schönheiten gehört. Und vom guten Wein." Als sie ein paar Monate später wiederkamen, um sich in der Schwarzmeerstadt notgedrungen eine neue Existenz aufzubauen, boomte Batumi schon. Die Wachstumsmotoren: der florierende Tourismus, Hand in Hand mit einem enormen Immobilien-Boom. Alles begann mit den Casinos. Nicht nur die Georgier nennen Batumi mittlerweile das "Las Vegas des Ostens". Dutzende Casinos existieren schon, immer weitere sind im Bau.

"Ich habe Kunden aus der ganzen Welt": Investor David Ruebush aus Texas mit seiner ukrainischen Partnerin Nina in ihrer georgischen Firmenzentrale. - © Batzoglou
"Ich habe Kunden aus der ganzen Welt": Investor David Ruebush aus Texas mit seiner ukrainischen Partnerin Nina in ihrer georgischen Firmenzentrale. - © Batzoglou