Beira/Wien. Um Mitternacht war es dann plötzlich völlig still. "Als ob der Sturm schlafen gegangen wäre und die Welt atmen würde." So beschrieben Bewohner von Beira der österreichischen Geografin Hemma Tengler die Nacht vom 14. auf den 15. März, in der der Wirbelsturm "Idai" ihre Stadt, mit einer halben Millionen Einwohnern die viertgrößte von Mosambik, zerstörte.

Die Stille war, nachdem es stundenlang gestürmt hatte, nur der Vorbote von noch Schlimmerem. Nach einer kurzen Pause kehrte der Zyklon viel heftiger zurück und wütete bis in die Früh. Die Folgen: Vor allem die ärmeren Stadtviertel waren ein Trümmerfeld, ganze Häuser wurden weggetragen. Wasser- und Stromversorgung brachen zusammen. Und nach dem Sturm regnete es eine Woche, was viele Lebensmittel verfaulen ließ.

Tengler kennt Beira und sein Umland wie wohl sonst kaum jemand aus Österreich. 20 Jahre hat sie dort gelebt, hat Projekte zur Stadt- und Bezirksentwicklung für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit und internationale Organisationen geleitet und war Dozentin an der Katholischen Universität in Beira. Kurz nach der Katastrophe besuchte sie die Stadt und bis heute steht sie mit Bewohnern in Kontakt.

Bei einem Vortrag im Kooperationszentrum Südliches Afrika (Sadocc) in Wien berichtete sie nun, dass die Behörden die Bewohner nur unzureichend auf den Sturm vorbereitet hätten. Es habe lediglich ein paar unkonkrete Warnungen gegeben, dass die Leute sichere Gebiete aufsuchen oder in ihren Häusern bleiben sollten. Weil es in der Region immer wieder zu Unwettern kommt, wurden die Warnungen teils auch nicht ernst genommen.

Das hat dazu beitragen, dass "Idai" mindestens 600 Menschen das Leben gekostet hat. Wobei: "Die genaue Zahl der Toten wird man nie wissen", sagt Tengler. Die Stadt Buzi, die im Landesinneren am gleichnamigen Fluss liegt, wurde etwa fast vollkommen zerstört und überflutet und erst spät von Helfern erreicht. "Menschen saßen dort drei Tage auf den Dächern ihrer Häuser ohne Nahrung", berichtet Tengler. "Oder sie haben sich auf Bäume gerettet. Aber wenn sie die Kraft verlassen hat, sind sie ins Wasser gefallen." Viele sind dort ertrunken, zudem waren Krokodile unterwegs.

Im Krankenhaus hat der Zyklon die Brutkästen zerstört

Die Regierung hatte jedenfalls aus ihren Fehlern gelernt. Als sechs Wochen nach "Idai" mit "Kenneth" im Norden Mosambiks ein noch stärkerer Zyklon an Land ging, waren zehntausende Menschen evakuiert worden. Kenneth forderte mindestens 40 Todesopfer.