New York. Ob Kaufhäuser, Eisgeschäfte oder U-Bahn-Tickets: New York wirkt derzeit zu großen Teilen wie in Regenbogenfarben gehüllt. Mit rund vier Millionen erwarteten Besuchern feiert die Millionenmetropole "World Pride", auch mit einer großen Parade am 30. Juni, um auf die Rechte und Themen unter anderem von Homo-, Bi- und Transsexuellen aufmerksam zu machen. "Pride" - auf Englisch heißt das: Stolz.

Unzählige Geschäfte und Häuser sind schon seit Wochen mit Regenbogenfarben geschmückt. Im Goethe-Institut, in der New-York Historical Society und vielen anderen Kultureinrichtungen gibt es spezielle Ausstellungen und Veranstaltungen. Die "Gay Street" (das englische Wort "gay", ursprünglich "fröhlich", bedeutet heute "schwul" - der Straßenname dürfte aber wohl eher auf einen Familiennamen zurückgehen) im Szene-Stadtteil Greenwich Village wurde zeitweise sogar in "Acceptance Street" (Straße der Akzeptanz) umbenannt.

Vor genau 50 Jahren in einer lauen Sommernacht

Vor einem halben Jahrhundert wäre das in der Metropole noch unvorstellbar gewesen. In einer lauen Sommernacht am 28. Juni vor genau 50 Jahren feiern etwa 200 Menschen, darunter viele Homosexuelle, in der beliebten Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street im Greenwich Village, als auf einmal acht Polizisten hereinkommen. Eine Razzia, wie schon so viele davor. Der Verkauf von Alkohol an Schwule ist damals illegal, tanzen dürfen sie auch nicht, und Frauen dürfen nur dann Hosen tragen, wenn sie außerdem mindestens drei "weibliche Kleidungsstücke" anhaben. Die Polizisten führen eine lesbische Frau ab und traktieren sie im Handgemenge mit einem Schlagstock. Solche Schikanen sind schon häufiger vorgekommen - aber diesmal hat die Menge der Feiernden genug.

Jahrelange Gewalt, Unterdrückung und Ausgrenzung entlädt sich in offenem Protest und Widerstand, der später als Stonewall-Aufstand bekannt werden soll. "Wir hatten nichts, und so hatten wir nichts zu verlieren", erinnert sich Tommy Lanigan-Schmidt, der damals dabei war. Flaschen und Steine fliegen auf die Polizisten, die sich bald von 600 Menschen bedrängt sehen und sich zum eigenen Schutz im eben geräumten Lokal verbarrikadieren. Mülltonen fliegen, Fensterscheiben bersten, die Demonstranten rufen "Gay Power". Die Krawalle reißen nicht ab, noch Nächte später versammeln sich rund 1.000 Demonstranten. Die Unruhen sind der Funke, der eine internationale Bewegung in Gang setzt - und das "Stonewall Inn" wird zur Keimzelle der Protestbewegung.