New York. Es war die Geburtsstunde der modernen Homosexuellen-Bewegung und der Christopher Street Märsche: als bisher Unterdrückte erstmals zurückschlugen. 50 Jahren später werden beim größten Gay-Pride-Festival der Welt am 30. Juni 4,5 Millionen Menschen in New York erwartet.

"Erst flackerten die Lichter, dann wurde es taghell und Polizisten stürmten in die Stonewall Bar. Sie brüllten die Gäste an und stießen sie gegen die Wände. Ich war unter Schock und wie versteinert. Dann bekam ich Panik. Es war die erste Razzia meines Lebens", erinnert sich Mark Segal an jene historische Nacht im Stonewall Inn, die sein Leben für immer verändern sollte. Der damals 18-Jährige war erst sechs Wochen zuvor nach New York gezogen. Bis dahin hatte er in Philadelphia gelebt und gedacht, er sei der einzige Schwule in der 1,6 Millionen Einwohner-Stadt.

Mark Segal (68) kämpfte sein Leben lang für Schwulenrechte. - © Hedemann
Mark Segal (68) kämpfte sein Leben lang für Schwulenrechte. - © Hedemann

"Bis zu jener Nacht im Stonewall waren wir unsichtbar. Man konnte nur in ganz wenigen Büchern etwas über uns lesen. Und darin wurden wir als psychisch krank, kriminell und moralisch verdorben beschrieben. Ich habe mich immer gefragt, warum sie das über uns sagten. Denn ich wusste, dass wir nicht so sind", erzählt Segal 50 Jahre später.

Der einzige Ort, an dem ein Mann, der Männer liebt, er selbst sein könne, war die Christopher Street im New Yorker Greenwich Village, hatte der Schüler gehört. Deswegen zog er, sobald er die Schule beendet hatte, nach New York. "Dort fand ich das Stonewall und Leute, die so waren wie ich. Ein Traum wurde wahr", erinnert sich der heute 68-Jährige.

Auch "Tree", ein Hüne von einem Mann, der damals wie heute wegen seiner Statur nur Tree (Baum) genannt wird, war schon vor 50 Jahren Stammgast im Stonewall Inn. "Ich war damals 30 Jahre alt, aber meine Eltern wussten nicht, dass ich schwul bin. Eltern haben ihre eigenen Kinder damals durch die Hölle gejagt, wenn sie es rausfanden. Sie haben ihnen Stromschläge verpassen lassen und sie in eiskaltes Wasser geworfen, um sie zu heilen. Das Stonewall war der einzige Ort in der ganzen Stadt, an dem wir mit Männern tanzen und wir selbst sein konnten", sagt der Mann, der 50 Jahre nach den Ausschreitungen, regelmäßig als Barkeeper im Stonewall Inn arbeitet.

Die Polizisten erpressten
die reichen Gäste

Heute tummeln sich in der Bar Homo- und Heterosexuelle, Transsexuelle, Dragqueens und neugierige Touristen aus aller Welt. "Das Stonewall ist heute für mich mein zweites Zuhause und ein Tempel. Es ist das Mekka aller Schwulen und Lesben und ein Treffpunkt für nette Menschen aus aller Welt", sagt Tree. Doch vor 50 Jahren wurde die Bar von der New Yorker Mafia kontrolliert und war immer wieder Ziel von Razzien.