Washington/Mexiko-Stadt. (wak) Valeria, ein Mädchen im Alter von einem Jahr und 11 Monaten, und ihr Vater, Óscar Alberto Martínez Ramírez, liegen reglos mit dem Gesicht nach unten im Brackwasser am Ufer des Rio Bravo. Das Mädchen steckt im schwarzen T-Shirt des Vaters, es war offenbar der Versuch, das Kind bei sich zu behalten, während der Vater die Hände zum Schwimmen gebraucht hatte.

Doch es nützte nichts. Offenbar sind die beiden am Sonntag ertrunken, als sie versucht hatten, den Rio Bravo in der Nähe von Matamoros, Mexiko, beziehungsweise Brownsville, Texas, zu bezwingen.

Eine Journalistin der mexikanischen Tageszeitung "La Jornada" hat das Foto der Leichen gemacht, das die "Wiener Zeitung" aus Pietätsgründen nicht zeigt. Das Bild erinnert an das schockierende Foto des toten syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi.

2015 ging das Bild von Kurdi, einem nicht einmal drei Jahre alten Kind, das im Mittelmeer ertrunken ist, um die Welt. Es löste Entsetzen aus. Kurdi sowie die Tragödie der Toten im Lkw nahe Parndorf waren der Grund für einen vorübergehenden Kurswechsel in der europäischen Flüchtlingspolitik. Berühmt wurde der Satz der deutschen Kanzlerin Angela Merkel: "Wir schaffen das."

Die traurige Geschichte von Valeria und Óscar wird von der überlebenden Mutter Tania Vanessa Ávalos folgendermaßen geschildert: Vater Óscar hatte die kleine Valeria schon über den Fluss in die USA gebracht gehabt. Er schwamm zurück, um seine 21-jährige Ehefrau zu holen. Valeria wollte aber nicht allein am Ufer bleiben und lief ihrem Vater in die Wellen nach. Der Vater musste im Fluss umkehren, um die Kleine zu retten. Beide gerieten in eine Strömung und ertranken vor den Augen der Mutter.

Die beiden Leichen wurden am Montag in Matamoros im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas gefunden.

US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf 2016 versprochen, die illegale Einwanderung zu stoppen. Die Zahl der Migranten stieg seit Beginn seiner Amtszeit jedoch stetig an. Allein im Mai wurden an der US-Südgrenze 144.000 Einwanderer aufgegriffen, darunter 57.000 Minderjährige.

Um die ungeregelte Einwanderung aus Mittelamerika in die USA zu bremsen, unterzeichnete die US-Regierung Anfang Juni ein Migrationsabkommen mit Mexiko. Es sieht unter anderem die Stationierung tausender mexikanischer Soldaten an der Grenze zu den USA vor. Trump warf Mexiko vor, zu wenig gegen die Migration zu tun. Das Abkommen kam erst zustande, nachdem Trump Mexiko mit rapide steigenden Strafzöllen gedroht hatte. Damit wären tausende Arbeitsplätze in Mexiko gefährdet.