Es gibt schon Technologien, die den Transport einigermaßen sicher machen können. Auch der Marsrover "Curiosity" hat einen Radionuklid-Generator. Selbst bei einem Verglühen in der Atmosphäre wären die Auswirkungen nicht mit Tschernobyl oder Fukushima vergleichbar.

Das Projekt "Biosphere 2", das ein geschlossenes Ökosystem simuliert hat, ist gescheitert. Was bedeutet das für Ihre Marsvisionen?

Es hat gezeigt, wie schwierig das ist. Gleichzeitig lehrt es insgesamt ein besseres Verständnis, sodass man vielleicht mehr Respekt vor den Lebensbedingungen in einem Ökosystem entwickelt und damit sorgsamer umgeht, als es bisher der Fall ist - nicht nur auf dem Mond und dem Mars. Dort hat man übrigens den Vorteil, dass es keine Einmischung von außen gibt, da könnten sich beispielsweise keine Ameisen hineingraben und zur Plage werden.

Apropos Tiere: Was würden Mond- und Marsmenschen essen?

Anfangs ist vegetarische Kost einfacher als Fleisch. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Transport von Hühnern als Ei von der Erde zumindest zum Mond gut möglich wäre - eine Konservierung bis zum Mars müsste man noch erforschen. Früher oder später könnte man auch andere Tiere mitnehmen, Schafe oder Kühe halte ich für nicht unpraktisch. Am robustesten wären freilich Insekten, sie enthalten ja auch viele Nährstoffe - aber welcher Westler will Insekten essen? Und wenn sie auskämen, hätte man eine richtige Plage am Hals. Aber man sollte trotzdem überlegen, sie in den Nahrungsmix einzubauen.

Der Niederländer Bas Landsdorp plant mit seiner Stiftung Mars One eine private Marsbesiedelung. Ist das überhaupt realistisch?

Wer weiß. Was ich bei Mars One interessant finde, ist weniger die Mission an sich, sondern dass es offenbar nicht an Freiwilligen für einen One-Way-Flug mangelt. Deswegen hätte ich auch wenige moralische Bedenken, jemanden ohne Wiederkehr zum Mars zu schicken. Man darf es aber nicht als Himmelfahrtskommando auslegen. Es braucht einen Plan, wie das Überleben bis ans natürliche Lebensende sichergestellt ist.

Und wie ernst meinen es Nasa & Co mit ihren Marsplänen?

Ich denke, es besteht ein internationaler Konsens, schrittweise zum Mond zurückzukehren und dann weiter zum Mars zu fliegen. Die Züge stehen auf dem richtigen Gleis - nur im Kessel ist noch nicht genug Dampf.

Ist es sinnvoll, noch weiter als bis zum Mars zu schauen?

Der ganze Spaß mit Mond, Mars, vielleicht auch noch Jupiter- und Saturn-Monden ergibt nur dann Sinn, wenn man irgendwann über den Rand des Sonnensystems hinausgeht. Wir haben ja schon einige möglicherweise tatsächlich bewohnbare Planeten gefunden, die gar nicht so weit weg sind.

Bitte definieren Sie "gar nicht so weit weg".

Aus heutiger Sicht sind das natürlich extreme Distanzen. Aber es gibt eine exponentielle Entwicklung: Wenn wir tausend bis zehntausend Jahre zu den zehn nächsten Nachbarsternen brauchen und von dort aus noch einmal so lange zu den jeweils nächsten zehn Nachbarsternen, haben wir nach elf bis zwölf Wiederholungen die gesamte Galaxie besiedelt - und zwar rascher als einst der Mensch die ganze Erde. In der globalen Geschichte wäre das also nur ein Wimpernschlag. Und je näher ein zukünftiger Antrieb der Lichtgeschwindigkeit käme - das wäre jeder, der über lange Zeiträume hinweg immer weiter beschleunigen könnte -, desto weniger Zeit verginge durch das Phänomen der Zeitdilatation für den Raumfahrer, der in einem einzigen Leben bis zum Rand des Universums käme, während für den Rest der Menschheit Milliarden Jahre vergingen. Nur könnte er nicht mehr zur Erde zurückkehren und davon berichten.•