New York. Am Mittwoch ist es genau fünf Jahre her, dass der Afroamerikaner Eric Garner bei einem Polizeieinsatz am Tompkinsville Park in New York ums Leben kam. "Ich kann nicht atmen", waren seine letzten Worte. Der an Asthma erkrankte 43-Jährige sagte sie mehrfach, bevor er starb. Sein Tod sorgte weltweit für Schlagzeilen, seine letzten Worte wurden zu einer Parole der "Black Lives Matter"-Bewegung.

Der Tompkinsville Park war eine Art Vorgarten für Garner und viele andere Menschen, die bis heute hier Zeit totschlagen, manchmal illegal einzelne Zigaretten verkaufen aber normalerweise niemanden ernsthaft belästigen. Garner war fast 1,90 Meter groß,180 Kilogramm schwer und polizeibekannt.

Illegaler Zigaretten-Verkauf

Tödliche Polizeigewalt in den USA. - © Statista
Tödliche Polizeigewalt in den USA. - © Statista

An jenem heißen Julitag 2014 wollte ihn die Polizei wieder einmal festnehmen, weil er illegal Zigaretten verkaufte. Garner wehrte sich, schrie, wedelte mit den Armen. Die Polizisten überwältigten ihn, einer nahm ihn in eine Art Schwitzkasten. Kurz darauf war Garner tot. Woran genau er starb, ist bis heute nicht geklärt. Ein Freund von ihm hatte die Szene mit seinem Handy auf Video festgehalten.

Polizeibrutalität gegen Afroamerikaner wurde in den USA schon vorher immer wieder beklagt, trotzdem stellte der Fall Garner in der öffentlichen Wahrnehmung einen Wendepunkt dar. Die kurz zuvor gegründete "Black Lives Matter"-Bewegung nahm seine letzten Worte zum Schlachtruf und sorgte dafür, dass dieser und auch die danach passierenden Fälle viel mehr Aufmerksamkeit und Kritik nach sich zogen, als zuvor: Michael Brown in Ferguson, Walter Scott in North Charleston oder Freddie Gray in Baltimore beispielsweise. Vielerorts wurden Polizisten mit Kameras ausgestattet, neue Richtlinien eingeführt und spezielle Trainings angeordnet.

Im Fall Garner aber passierte erstmal wenig. Der Polizist, der ihn in den Schwitzkasten genommen hatte, wurde zu einem Schreibtischjob versetzt, aber eine Jury sprach sich gegen einen Strafprozess aus. Ein polizei-internes Verfahren ging vor einigen Wochen zu Ende, jetzt liegt es an New Yorks Polizeichef James O'Neill, ob der Beamte gefeuert oder bestraft wird. Garners Familie hatte die Stadt New York verklagt und eine Entschädigung von rund 5,9 Millionen Dollar (etwa 5,2 Millionen Euro) bekommen.

Keine endgültige Entscheidung

Fünf Jahre nach dem Fall Garner gibt es nicht nur in seinem Fall keine endgültige Entscheidung über das Schicksal des verantwortlichen Polizisten. Auch viele andere Fälle bleiben ungeklärt. Die breite Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit an der "Black Lives Matter"-Bewegung und Polizeibrutalität hat wieder deutlich nachgelassen. Vor allem seit Beginn der Regierung Donald Trump, wo scheinbar zu viele Aufreger-Themen gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. Das Problem ist währenddessen alles andere als gelöst: Fast 500 Menschen sind allein in diesem Jahr bereits von der Polizei erschossen worden, wie aus einer Datenbank der "Washington Post" hervorgeht. Für weltweite Schlagzeilen sorgte keiner dieser Fälle.

"Eric weint im Himmel, weil er seine Mutter und seine Familie hier unten sieht, wie sie immer noch um Gerechtigkeit für ihn kämpfen", sagte Gwen Carr, die Mutter von Eric Garner, jüngst. "Es ist fünf Jahre her - seit fünf Jahren sind wir an der Front und rufen nach Gerechtigkeit, aber immer noch wird alles unter den Teppich gekehrt." (apa, dpa)