Anders sieht es bei Industrie-Unternehmen aus: Die sieht Kainz in der Pflicht, das Wasser, das für die Produktion ihrer Güter verwendet wird, gesäubert wieder in den Kreislauf zu entlassen. Das funktioniert zwar in Österreich, aber nicht überall auf der Welt.

Österreich ist auch in anderer Hinsicht eine Insel der Seligen. Etwa 85 Milliarden Kubikmeter Wasser sind pro Jahr verfügbar, im gesamten Alpenraum werden jährlich 216 Milliarden Kubikmeter Wasser in die Alpenvorlandregionen befördert und versorgen Menschen mit Wasser. Gletscher, Schnee, Permafrost und Seen speichern sehr viel Wasser und stellen eine wichtige Süßwasserreserve für Millionen von Menschen in Europa dar.

Riesige Wasservorkommen in den alpinen Gletschern

Wie riesig das Wasservorkommen in den Gletschern (noch) ist, schildert Kainz an einem Beispiel: Theoretisch speichert das Gletschereis in den Alpen ein Volumen von rund 100 Kubikkilometer, womit alle Einwohner der acht größten Städte Asiens (mit derzeit über 215 Millionen Menschen) versorgt werden könnten. Und zwar mit zwei Liter Trinkwasser täglich für sagenhafte 600 Jahre.

Dieses geografische Glück muss uns bewusst sein, wenn es um die Migrationsbewegungen der Zukunft geht. Wie kann man sichergehen, dass das Wasser weder in Österreich noch im Rest der Welt kontaminiert wird? Oder unwiederbringlich verbraucht wird? Wo kann die Menschheit sicher sein, dass es noch Wasser geben wird? "Der Grundwasserspiegel sinkt weltweit seit den 1960er Jahren", warnt Kainz.

Und es ist kein Ende dieser traurigen Tendenz in Sicht: "Das Grundwasser nimmt kontinuierlich ab, weil Landwirtschaft immer mehr und intensiver betrieben wird", sagt Kainz.

85 Prozent des zugänglichen Süßwassers werden für die Landwirtschaft verwendet. Dazu zählen aber selbstverständlich nicht nur die Produktion von Nahrungsmitteln, sondern auch andere landwirtschaftliche Rohstoffe, wie etwa Baumwolle für die Bekleidungsindustrie.

Kainz plädiert für einen bewussteren Umgang beim Konsum. Ein T-Shirt vielleicht drei statt zwei Jahre tragen. Denn ein T-Shirt benötigt auch schon mehr als 2000 Liter Wasser - vor allem für die Bewässerung der Baumwollpflanze.

Die Produktion von Fleisch ist noch wasserintensiver. Ein Kilo Rindfleisch kommt im Durchschnitt auf 15.400 Liter Wasser in der Produktion - das Tier muss trinken, und sein Futter wurde bewässert. Ein Kilo Bananen kommt dagegen auf vergleichsweise geringe 790 Liter. Mais auf 1220 Liter.

Unter Ökologen sind die Zukunftsperspektiven klar: Der gesamte Wasserbedarf steigt, da die Weltbevölkerung zunimmt. Das Einzige, was uns bleibt, ist, den Bedarf und das verbleibende Wasser besser zu managen.

"Ich glaube nicht, dass jemand da bereits den Stein der Weisen besitzt. Die Interessen sind sehr unterschiedlich. Aber schon der Gedankenprozess ist wichtig. Was werden wir in Zukunft tun?", meint Kainz.