Viele wie Eva Janadin gibt es nicht auf der Welt. In Deutschland gibt es eine, in den USA und Kanada gibt es welche und auch in Dänemark: weibliche Imame. In Frankreich ist Janadin zwar nicht die erste Imamin, aber sie ist die erste, die es geschafft hat, das Gebet gläubiger Muslime zu leiten. Das immerhin in dem Land mit der größten muslimischen Gemeinschaft Europas. Gemeinsam mit einer Kollegin predigte sie zwar nicht - wie üblich - am Freitag, sondern am vergangenen Samstag. Dafür fanden sich etwa 70 Gläubige an dem aus Sicherheitsgründen geheimen Gebetsort in Paris ein. Geheim deshalb, weil der Vorstoß Janadins natürlich vielen traditionellen Muslimen nicht gefällt. Im Gebetsraum waren Männer und Frauen gemischt und Janadin trägt auch kein Kopftuch. Sie trat vor zehn Jahren zum Islam über. Sie ist eine Anhängerin des Sufismus, also jener islamischen Strömung, die in Europa vor allem durch die Derwische bekannt ist. Der Prophet und der Koran haben nie weibliche Predigerinnen ausgeschlossen, erklärt Janadin. Im Gegenteil: Mohammed habe sogar einmal explizit eine Frau zur Gebetsleitung bestimmt. Allerdings blieb unklar, ob in diesem Fall unter den Gläubigen auch Männer waren. Ebenso vertritt sie die Ansicht, dass sich aus dem Koran kein Kopftuchgebot ableiten lasse - eine Meinung, die sie beispielsweise mit den Aleviten teilt. "In Wahrheit ist das einzige Hindernis, dass Frauen Imame werden, weder religiöser noch theologischer, sondern kultureller und psychologischer Natur", erklärte sie gegenüber AFP. Dabei gibt es Imame, die der Vorstellung von Imaminnen durchaus etwas abgewinnen können. "Was zählt, ist die Kompetenz, nicht das Geschlecht", sagte etwa Tareq Oubrou, Imam von Bordeaux, dem Radiosender "Radio France International". Allerdings räumt er ein, dass das die meisten anders sehen. Natürlich stört viele Muslime auch das gemischte Publikum beim Gebet. Sogar Abdallah Zekri vom sonst um Konzilianz bemühten moslemischen Kultusrat in Frankreich steht dem negativ gegenüber. "Wenn Sie vor sich eine Frau haben, die sich hinkniet und den Hintern hochstreckt, dann ist das für den Mann hinter ihr nicht besonders ästhetisch", sagte er dem französischen Radiosender "Franceinfo". Stellt sich natürlich die Frage, ob Männerhintern für ihn ästhetischer sind. An einem Kompromiss arbeitet derzeit eine andere französische Imamin. Kahina Bahloul will eine Moschee schaffen, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind und in der es auch keinen Kopftuchzwang gibt. Dafür sollen Frauen und Männer zwar im selben Raum, aber in getrennten Blöcken beten. Gelingt dies, wäre der Grundstein für einen progressiven französischen Islam gelegt.