Naja, deswegen nicht besonders. Die Dinge ändern sich seit viel längerem, wenn auch langsam. Es gibt seit Ewigkeiten eine kulturelle Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Kuba. Viele kubanische Künstler reisen in die USA, auch, wenn viele über Isolation reden. Aber die Dinge sind nicht so schwarz-weiß, wie sie oft porträtiert werden. Speziell bei den Jugendlichen haben wir auf Kuba schon alle erdenklichen Strömungen aufgesogen, von Emos zu Metrosexuellen, die sich vielleicht der Konnotation ihres Outfits noch nicht bewusst sind, aber die alle gemeinsam im Park in der Hauptstadt abhängen.

Der Informationsfluss nach Kuba war verzögert. Wie kommen kulturellen Strömungen nach Kuba?

Es stimmt, dass auf Kuba das Internet noch nicht in jedem Haus zugänglich ist. Aber seit sehr kurzem haben die Leute Smartphones, mit denen sie ihre E-Mails checken können. Man kann ganz einfach eine Wertkarte kaufen. Früher hat dafür umso mehr die Regel gegolten: Nichts ist für die Menschen derart attraktiv
wie das Verbotene, das Unbekannte. Je verbotener etwas ist, desto magischer zieht es Menschen, speziell Jugendliche, an. Wenn sie die Information nicht haben, machen sie sich hartnäckig auf die Suche. Sie fragen den Freund, der ins Ausland gereist ist. Die kulturellen Austauschmöglichkeiten auf Kuba waren immer von extremer Wissbegierigkeit geprägt. Die Menschen, die auf einer Insel leben und von Wasser umgeben sind, mit denen passiert psychologisch etwas: die Angst, dass sie der Aktualität immer hinterherhinken. Deswegen geben wir uns besondere Mühe, das Neue, das Interessante zu finden. Auf Kuba sind die Dinge nicht so verschlossen, wie man glaubt - in diesem Moment jedenfalls.