Diese Südsudanesin trägt einen Sack mit Saatgut, der vom Roten Kreuz bereitgestellt wurde. - © afp/Farran
Diese Südsudanesin trägt einen Sack mit Saatgut, der vom Roten Kreuz bereitgestellt wurde. - © afp/Farran

Berlin/Sanaa. (dpa) Spindeldürre Kinder mit aufgeblähten Bäuchen in den Armen von Müttern, die kaum Kraft haben, sie zu halten. Hunderttausende Menschen in Zelten von Hilfsorganisationen, eingehüllt im Staub der trockenen Erde. Diese dramatischen Szenen gehören nicht der Vergangenheit an - sie spielen sich in mehreren Ländern Afrikas und im Jemen ab. Denn im soeben zu Ende gegangenen Jahr kehrte der Hunger in Folge von Konflikten mit voller Wucht zurück. Es sind menschengemachte Krisen. "Nach Jahren der Konflikte und Flucht haben die Menschen ihre Belastungsgrenze erreicht", sagt die Leiterin der Notfalleinsätze beim UNO-Welternährungsprogramm (WFP), Denise Brown.

250.000 Tote sechs Jahre zuvor


In Somalia starben 2011 mehr als 250.000 Menschen in Folge einer verheerenden Dürre. Danach bereiten sich Helfer besser auf Hungerkrisen vor, es gab keine Hungersnot mehr. Doch 2017 musste in Teilen des Bürgerkriegslandes Südsudan erstmals wieder eine Hungersnot konstatiert werden, die schlimmste Form einer Hungerkrise. Auch im Nordosten Nigerias, in Somalia und im Jemen starben Menschen an den Folgen des Hungers. Mehr als 20 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen - der UNO zufolge die schlimmste humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Besonders verheerend ist die Lage im Jemen. In dem bitterarmen Land im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit mehr als drei Jahren ein Bürgerkrieg zwischen vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen und einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition. Die schwache Infrastruktur des Landes ist durch den Konflikt massiv zerstört worden, Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Anfang November verhängte Saudi-Arabien zudem eine Blockade über die See- und Flughäfen des Jemens. Dem Land drohe dadurch die weltweit schlimmste Hungerkatastrophe, warnt die UNO, Millionen Menschen könnten sterben. Ein Ende des Leids ist nicht absehbar, solange der Konflikt anhält.

Auch im jüngsten Staat der Welt, dem Südsudan, ist ein seit vier Jahren wütender Bürgerkrieg für das Leid der Menschen verantwortlich. Die im Februar verkündete Hungersnot in Teilen des Bundesstaates Unity wurde im Juni zwar für beendet erklärt, doch noch immer stehen 1,25 Millionen Menschen am Rande einer Hungersnot. Insgesamt sechs Millionen Südsudanesen - die Hälfte der Bevölkerung - brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe. Im armen Nordosten Nigerias wurde die Krise durch den islamistischen Terror von Boko Haram ausgelöst. In Somalia ist ein Konflikt, der seit einem Vierteljahrhundert andauert, gekoppelt mit einer Dürre für den Hunger verantwortlich.