Klimawandel verschärft Krise


Es ist ein Teufelskreis: Konflikte treiben Menschen in die Flucht. Und Flucht bedeutet, die eigene Lebensgrundlage - Land, Tiere oder Job - zurückzulassen und auf Hilfsmittel angewiesen zu sein. Eine Rückkehr in ihre Heimat ist oft nur möglich, wenn Frieden einkehrt. Doch auch dann kann es Jahre dauern, bis sich Bewohner wieder ein normales Leben aufbauen können. "Zehn unserer derzeit dreizehn größten Notlagen haben mit Konflikten zu tun", sagt Brown vom WFP. "Das war vor zehn Jahren noch nicht der Fall. Unsere Notfallmaßnahmen wurden eigentlich für Naturkatastrophen geschaffen."

Neben den großen Konfliktländern hat eine der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten auch mehrere Staaten am Horn von Afrika in eine Hungerkrise gestürzt. In Kenia sind 3,4 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, im ostafrikanischen Äthiopien haben 8,5 Millionen nicht genug zu essen.

Die meisten der betroffenen Äthiopier leben in der östlichen Somali-Region, ihre Lebensgrundlage ist in den meisten Fällen Vieh. Die Tiere sterben in der Trockenheit massenweise. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagt die Viehhirtin Amina Mohamed über die Dürre. Die Mutter von vier Kindern hat sich auf der Suche nach Essen und Wasser in ein Lager von Hilfsorganisationen gerettet. Einige ihrer spindeldürren Tiere konnte die 49-Jährige mitnehmen. "Ich habe Glück, dass einige meiner Rinder die Dürre bisher überlebt haben", sagt sie. "Aber wir können sie nicht nutzen, sie geben uns weder Milch noch Fleisch."

Die Hungerkrisen in diesen Ländern ohne Konflikt und mit funktionierenden Regierungsstrukturen seien logistisch leichter zu bekämpfen, sagt die Ostafrika-Leiterin der NGO Oxfam, Lydia Zigomo. Doch hunderttausende von Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und es fehle an Spenden. Zudem gebe es Anzeichen, dass die Dürre weiter anhalten werde. "Hunger wird auch nächstes Jahr ein Problem sein." Der Klimawandel treffe diese Länder besonders stark. "Diese Hungerkrisen werden sich stets wiederholen, wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen", sagt Zigomo. Daher müsse es das Ziel sein, die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung zu stärken.

Für die von Konflikten verursachten Hungerkrisen sieht Brown aber nur eine Lösung: Frieden. Sie sagt: "Langfristig benötigt es Stabilität und Frieden und massive Investitionen in Entwicklung."