In Handschellen abgeführt: TV-Ikone Bill Cosby wurde zu mehrjähriger Haft verurteilt. - © ap/Jaqueline Larma
In Handschellen abgeführt: TV-Ikone Bill Cosby wurde zu mehrjähriger Haft verurteilt. - © ap/Jaqueline Larma

Norristown. (dpa) Nach seiner Verurteilung wegen sexueller Nötigung in drei Fällen hat der US-Schauspieler und Comedian Bill Cosby seine mehrjährige Haftstrafe angetreten. Polizisten führten den 81-Jährigen in Handschellen aus dem Gerichtssaal in Norristown in Pennsylvania. In einer Sammelstelle wird nun entschieden, in welche der 24 Haftanstalten des US-Bundesstaats Cosby kommt. Er muss eine Strafe von mindestens drei und höchstens zehn Jahren Haft absitzen.

"Kein Grund zum Feiern"


Den einst so beliebten "TV-Papa" Amerikas in Handschellen zu sehen, sei "kein Grund zum Feiern", stellte Staatsanwalt Kevin Steele fest. "Wir nehmen es sehr ernst, wenn jemandem die Freiheit genommen wird. Aber ich werde mich nicht für meinen Job entschuldigen." Die zuständige Behörde im Bezirk Montgomery County veröffentlichte kurz darauf das Polizeifoto, das Cosby im weißen Hemd mit Hosenträgern zeigt. Er wirkt auf dem Foto niedergeschlagen und schaut nicht in die Kamera.

Cosbys Verteidiger Joseph Green scheiterte beim Versuch, Cosby gegen Kaution auf freien Fuß zu bekommen, bis über das geplante Berufungsverfahren entschieden ist. Dieses würde beim nächsthöheren Gericht verhandelt, dem Superior Court in Harrisburg. Dieses Gericht muss den Fall anhören - anders als der übergeordnete Supreme Court, das höchste Gericht im Staat Pennsylvania. Cosby muss zusätzlich eine Geldstrafe von 25.000 Dollar (21.200 Euro) zahlen und die Gerichtskosten des Strafprozesses tragen.

Cosby verzichtete auf die Gelegenheit, sich im Prozess abschließend zu äußern. Auch auf Fragen von Reportern reagierte er nicht. "Mister Cosby geht es gut und Mister Cosby weiß, dass Gott über ihn wacht", sagte sein Sprecher Andrew Wyatt nach dem Urteil. Kein Prozess sei in der Geschichte der USA rassistischer und sexistischer gewesen als dieser. Wyatt erwähnte auch den "Sex-Krieg" gegen den umstrittenen Kandidaten für den obersten US-Gerichtshof, Brett Kavanaugh, gegen den derzeit Missbrauchsvorwürfe im Raum stehen.

"Tag der Abrechnung"


60 Frauen hatten Cosby sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen. "Die Vergewaltigung ist in meine Seele eingraviert", teilte das Model Janice Dickinson nach dem Urteil mit, deren Fall zu keiner strafrechtlichen Verfolgung geführt hatte. Dickinson hatte im Prozess als Zeugin ausgesagt.

Der Tag der Abrechnung sei für Cosby endlich gekommen, sagte Anwältin Gloria Allred, die mehrere der Frauen vertritt. "Über Jahrzehnte konnte der Angeklagte sein wahres Ich und seine wahren Verbrechen verbergen", meinte Staatsanwalt Steele. Cosby habe sich hinter der TV-Figur des Dr. Heathcliff Huxtable versteckt, die er für die einst sehr beliebte "Bill Cosby Show" geschaffen hatte. Steele bezeichnete die Strafe als "fair und bedeutend".

"Wer jemanden unter Drogen setzt und sexuell missbraucht, muss einen hohen Preis zahlen, und dieser Preis ist die eigene Freiheit", sagte Staatsanwalt Steele. Verteidiger Green hatte dagegen von "übermäßiger Härte" gesprochen und auf Cosbys Alter sowie seine Blindheit hingewiesen. "Was macht ein 81 Jahre alter Mann im Gefängnis?", fragte Green.

Im öffentlichen Register für Sexualstraftäter, das alle 50 Bundesstaaten der USA führen, wird Cosby ab sofort als "gewaltbereiter Sexualverbrecher" eingetragen. Auch nach seiner Haftstrafe oder einer Entlassung auf Bewährung muss er sich damit regelmäßig bei der Polizei melden und an Therapiesitzungen teilnehmen. Kindergärten, Schulen und Bewohner in Cosbys Nachbarschaft werden zudem mit Foto und Hinweisen über seine Straftaten vor ihm gewarnt. Diese Hinweise sind zudem öffentlich im Internet einsehbar.

Bill Cosby ist nun der erste Prominente, der seit der im Jahr 2017 losgetretenen Welle von Missbrauchsvorwürfen gegen Film- und Medienschaffende wegen eines Sexualverbrechens ins Gefängnis geht.