Und es brauchte ein wenig mehr Selbstbewusstsein. Entscheidend für Clarisse Ishimwe war ein weiterer Gedanke, den ihr ihre Trainer mitgegeben haben, sagt sie: Dass auch Frauen alles erreichen können. "Also dachte ich mir: Lass es mich versuchen."

Bohnen gaben dem Leben von Josiana Kajitesa eine Wende

Ruandas Regierung unterstützt Programme zur Förderung der Frauen. Trotzdem ist es in vielen Familien noch so, dass Burschen viel mehr Achtung erfahren als Mädchen und auch mehr in ihre Ausbildung investiert wird: Denn die Burschen werden als die künftigen Versorger und Altersabsicherung angesehen, die Mädchen hingegen werden verheiratet und sind dann für die Herkunftsfamilie nicht mehr von Nutzen.

Josiana Kajitesa wurde als äußerst nutzlos angesehen. Die 28-Jährige bekam vor sechs Jahren ein uneheliches Kind. "Ich habe damals all meine Hoffnung verloren", sagt sie. Sie war nun eine unverheiratete Mutter, die noch bei ihren Eltern wohnte. "Meine Eltern haben mich als einen Menschen angesehen, der weniger Wert besitzt", berichtet sie. Josiana Kajitesa lebt auf dem Land, sie verdingte sich zunächst als Magd bei den örtlichen Bauern. Ihre kräftigen Arme zeugen davon, dass sie viel körperliche Arbeit verrichtet hat.

Ihre Geschichte erzählt sie in einem Dorf im Bezirk Gakenke in einer Lagerhalle, die mit Säcken voller Bohnen angefüllt ist. Diese sind die Geschäftsgrundlage einer landwirtschaftlichen Kooperative, die 30 Mitglieder umfasst, von der lokalen NGO Ajprodho, einer Partnerorganisation von Care, gefördert wird und aus einer Spargemeinschaft hervorgegangen ist. In diese legten die Mitglieder zunächst kleine Beiträge von umgerechnet einem bis drei Euro im Monat ein. Doch mit den ersten Einkünften stiegen die Beiträge, wuchs das Geschäftsvolumen. Mittlerweile beliefert die Kooperative etwa die Dorfschule oder die örtliche Kaserne. Zuletzt investierte man 200 Euro in Bohnen und machte einen Gewinn von 1500, berichtet die Präsidentin Vestine Mukamunyuzi.

Auch Josiana Kajitesa ist der Kooperative bei deren Gründung beigetreten. Das war der Schritt, der ihrem Leben eine Wende gab. Nun ist sie offenbar die Großverdienerin in ihrer Familie. "Meine Eltern haben nun Respekt vor mir", erzählt sie. "Sie wollen gar nicht mehr, dass ich ausziehe."

Ein Fahrrad veränderte die Ehe von Seraphine Mukanyandwi

Es war ihr gesteigertes Einkommen, das Josiana Kajitesa wieder mehr Ansehen brachte. Immer wieder ist Geld ein sehr starkes Argument, um die traditionelle, unterwürfige Rolle von Frauen zu durchbrechen.

Das zeigt auch das Beispiel von Seraphine Mukanyandwi und Vitor Uwiragiye. Ihr Haus befindet sich in einer für Ruanda typischen Landschaft. Es ist umgeben von grünen Hügeln voller Bananen- und Eukalyptusbäumen. Im Hof steht eine Kuh in einem Holzverschlag. Das angrenzende Wohnzimmer ist karg eingerichtet. Bis auf ein einziges Bild, das zwei Herzen zeigt, sind die Wände kahl, ein alter Schrank und zwei Holzbänke stehen in dem Zimmer. Mukanyandwi und Uwiragiye sind Bauern.