Josiana Kajitesa (r.) und ihre Chefin Vestine Mukamunyuzi wollen mit ihrer landwirtschaftlichen Kooperation weiter wachsen.
Josiana Kajitesa (r.) und ihre Chefin Vestine Mukamunyuzi wollen mit ihrer landwirtschaftlichen Kooperation weiter wachsen.

Kigali. Bier, Ziegen und eine Boutique sind Teil der Geschichte von Clarisse Ishimwe. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die in Ruanda spielt. "Jeden Tag bin ich beschäftigt, und ständig denke ich über neue Ideen nach", sagt die 23-Jährige. Ihr zurückhaltendes Lächeln steht im Widerspruch zu ihrem Tatendrang. Sie führt in eine kleine Bar, in der zwei Männer Bier trinken. Die Bar gehört ihr, genauso wie der daran angrenzende Greißlerei und eine Boutique - winzige Geschäfte, in denen vielleicht gerade einmal zwei, drei Leute gleichzeitig Platz haben.

Davor sitzen ein paar Frauen müde in der Nachmittagshitze. Um sie herum laufen Hühner, zwei junge Ziegen springen vom Ast eines Baumes. Die Straßen im Bezirk Kicukiro sind staubig, es ist eine der Gegenden in Ruandas Hauptstadt Kigali, in denen Stadt und Land ineinander übergehen und in denen die schmutzigen, abgetragenen T-Shirts vieler Kinder Belege der Armut sind, die es hier gibt. Gleichzeitig zieht in Kicukiro offenbar die Mittelschicht ein, wovon einzelne, umzäunte, großzügige Einfamilienhäuser zeugen.

Für Seraphine Mukanyandwi und Vitor Uwiragiye ist der Besitz eines Rindes auch ein Zeichen, dass es ihnen schon mal schlechter ging. - © Care
Für Seraphine Mukanyandwi und Vitor Uwiragiye ist der Besitz eines Rindes auch ein Zeichen, dass es ihnen schon mal schlechter ging. - © Care

Clarisse Ishimwe stand hier einst in der gesellschaftlichen Rangordnung weit unten. Sie war eine der Straßenverkäuferinnen, die versuchen, jeden Tag aufs Neue über die Runden zu kommen. Der erste Schritt in ein verbessertes Leben war ihr Beitritt in eine Kooperative. "Ich habe dort sparen gelernt", sagt sie. Das wenige, das ihr übrig blieb, legte sie in den Fonds der Kooperative. Diese funktionierte wie ein Sparverein. Gemeinsam trugen die 30 Mitglieder ihre Ersparnisse in eine Bank, was ihnen Zinsen einbrachte. Und einzelne Mitglieder konnten sich ein Darlehen nehmen. Diese Möglichkeit nutzte auch Ishimwe. "Ich habe mir eine Ziege gekauft", berichtet sie. "Das Geld dafür konnte ich zurückzahlen, und ein Jahr später hatte ich zwei Ziegen und ein Schwein." Heute besitzt sie zehn Ziegen, fünf weitere hat sie bereits verkauft.

- © M. Hirsch
- © M. Hirsch

Wenn sie ihre Geschichte erzählt, benutzt Ishimwe selten ihre Hände. Nur manchmal schiebt sie die Arme zaghaft zu einer auslandenden Geste auseinander - als wollte sie andeuten, wie sehr sich ihre Möglichkeiten vergrößert haben. Mittlerweile hat sie sich sogar ein eigenes Haus gebaut und beschäftigt zwei Angestellte.

Clarisse Ishimwe wurde gesagt, dass auch sie es schaffen kann

Die Hilfsorganisation Care hat den Sparverein organisiert. Damit Clarisse Ishimwe ihr Potenzial entfalten konnte, brauchte es nicht viel, keine großen Investitionen, keine großen Geschenke. Es brauchte einen kleinen Anstoß von außen, ein wenig wirtschaftliche Schulung. Ein günstiges Umfeld für Kleinunternehmer war auch nicht von Nachteil: Ruanda, das nach dem Völkermord 1994, bei dem radikale Hutus etwa 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus ermordeten, darniederlag, ist heute unter Präsident Paul Kagame, einem Tutsi, stabil, Wirtschaft und Kaufkraft steigen kontinuierlich.