Und lange Zeit war es so, dass der Mann für das Haushaltseinkommen sorgte und darüber verfügte. "Oft habe ich das Geld in die Bar getragen", erzählt Uwiragiye. Er blickt zu Boden, sagt, dass er seine Frau früher auch geschlagen habe. "Zudem wollte ich nicht, dass meine Frau in diese Gruppen geht." Diese Gruppen waren von Care organisierte Sparvereine und Schulungen zur Stärkung der Rechte von Frauen. Mukanyandwi ging heimlich trotzdem hin. "Ich habe von dem Geld, das er mir für die Einkäufe gab, etwas abgezweigt", erzählt sie.

Eines Tages brachte sie ihm ein Fahrrad. "Ich war erstaunt, wie viel Geld sie plötzlich hatte", berichtet Uwiragiye. Er konnte damit als Fahrer eines Fahrradtaxis zusätzliches Geld verdienen, zudem trug nun auch seine Frau zur Haushaltskasse bei. Sie begannen, gemeinsam über die Ausgaben zu entscheiden. "Ich habe gesehen, wie sehr uns das weiterbringt", sagt er. "Wir haben Land gekauft, wir haben mehr Tiere, die Kinder gehen zur Schule."

Mittlerweile hat er mit seiner Frau Schulungen besucht, mit deren Hilfe häusliche Gewalt verhindert werden soll. Nun unterstützt er, so berichtet seine Frau, dass seine Gattin andere Frauen in ihrem Selbstbewusstsein stärkt. Und nun hat neben dem zehnjährigen Sohn auch die siebenjährige Tochter einen eigenen Hasen, was nicht selbstverständlich ist.

In die Bar geht Mukanyandwi nicht mehr. Bei seinen alten Kameraden hat er Respekt verloren, erzählt er. "Sie haben mich gefragt, ob mich meine Frau verhext hat."

Die Reise wurde von Care unterstützt.

Die Projekte von Care in Ruanda

Care will mit seinen Projekten benachteiligte Bevölkerungsgruppen erreichen. In Kleinspargruppen, den "Village Savings and Loans Associations", zahlen mehrere Personen ein und können sich daraus Darlehen nehmen.

Solche Spargruppen sind auch Teil des Projekts "Youth Employability in the Informal Sector (Yeis)", das Care gemeinsam mit der lokalen Organisation Ajprodho entwickelt hat und das diese nun implementiert. Das Ziel: Junge Menschen aus vollkommen unterbezahlten beziehungsweise illegalen Beschäftigungen, etwa dem unerlaubten Straßenverkauf, herauszuholen und in den geregelten Wirtschaftskreislauf hineinzubringen.

An dem Projekt nehmen laut Ajprodho 9371 Personen teil, davon 7009 Frauen. 4483 Teilnehmer haben mittlerweile ein Bankkonto, 3067 haben bei den Behörden eine eigene Geschäftstätigkeit gemeldet. Zumeist schließen sich die Teilnehmer zu Kooperativen zusammen, gründen etwa Friseurläden, Schneidereien oder Werkstätten. Bei diesen Gründungen greifen sie auf das Geld aus den Spargruppen zurück.

Ein weiteres Projekt von Care nennt sich "Learning 4 Change". Frauen sollen in ihrem Selbstbewusstsein und ihren Rechten gestärkt werden. Dabei werden traditionelle Geschlechterrollen thematisiert und Strategien gegen häusliche Gewalt entwickelt, wobei auch Männer in die Aufklärungsarbeit eingebunden werden.

Eingefügt sind die Projekte in den nationalen Entwicklungsplan Ruandas, sie sollen später teils von den örtlichen Behörden übernommen werden. Finanziert werden sie durch Förderungen - etwa von EuropeAid (European Commission – Developement & Cooperation) und ADA (Austrian Developement Agency) - vor allem aber durch Spenden.