"BepiColombo" besteht aus den beiden Forschungssonden MPO und MMO: Der Merkur-Planetenorbiter der ESA (MPO) erforscht die Oberfläche des weitgehend unbekannten Himmelskörpers. Die japanische Sonde MMO wird in einer Entfernung von 11.640 Kilometern bis minimal 680 Kilometern den Planeten umrunden.

Magnetosphäre im Visier

Bei der Erkundungsreise zum Merkur ist High-Tech und Know-how aus Österreich mit an Bord. Im Bild ein PICAM-Flugmodell. - © APA / IWF
Bei der Erkundungsreise zum Merkur ist High-Tech und Know-how aus Österreich mit an Bord. Im Bild ein PICAM-Flugmodell. - © APA / IWF

Das Magnetfeldmessgerät (Mermag M) auf dem japanischen Orbiter MMO hat das Grazer IWF entwickelt und gebaut. Die wichtigsten wissenschaftlichen Ziele der japanischen Sonde sind aus der Perspektive von Baumjohann die Erforschung der Struktur und Dynamik der Magnetosphäre des Merkur und deren Wechselwirkung mit dem noch sehr jungen und ungestümen Sonnenwind.

Die Entwicklung von Magentfeldmessgeräten (Magnetometern) hat eine lange Tradition am IWF: Die ersten Geräte flogen bereits Anfang der 1980er-Jahre an Bord der russischen VENERA-Raumsonden in den interplanetaren Raum. Im Rahmen internationaler Weltraummissionen flogen Magnetometer des IWF aber auch zum Mars, zu Asteroiden und Kometen.

Das Merkur-Transportmodul (MTM) der Mission "Bepi Colombo" wird während seines siebenjährigen Flugs einmal an der Erde, zweimal an der Venus und mehrmals am Planeten Merkur vorbeifliegen, um zu entschleunigen, um nicht auf die Sonne abzustürzen. Wenn die Zielumlaufbahn wie geplant im Dezember 2025 erreicht sein wird, trennen sich die beiden autonomen Wissenschafts-Satelliten vom MTM.

MPO soll Topografie erkunden

Der europäische "Mercury Planetary Orbiter" (MPO) fokussiert bei seinen Messungen auf die Oberfläche und die Exosphäre des Planeten Merkur. MPO verfügt unter anderem über eine hochauflösende Mapping-Kamera, einen Laser-Höhenmesser, einen Beschleunigungssensor und ein Set von Spektrometern. So will man die Topografie des Planeten erkunden und dabei auch in dunkle Krater blicken, die Wassereis enthalten könnten. Die endgültige Umlaufbahn des Orbiters ist etwa zwischen 480 Kilometern und 1.500 Kilometern vom Merkur entfernt.

"BepiColombo" ist eine Kooperation zwischen der ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA. - © ESA, S. Corvaja
"BepiColombo" ist eine Kooperation zwischen der ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA. - © ESA, S. Corvaja

"Die wichtigsten Ziele der Magnetfeldmessungen auf MPO sind die detaillierte Erforschung des Eigenfeldes des Planeten und damit verbunden die Bestätigung von Modellen, die das Innere des Merkur beschreiben", legte Wolfgang Baumjohann vom Grazer IWF dar. "Bis in die 1970er-Jahre dachte man, der Planet hat überhaupt kein Magnetfeld. Nun weiß man, er hat eines, aber deutlich schwächer als das der Erde", wie der Weltraumforscher schilderte. "Wir wollen besser verstehen, wie das Magnetfeld von Merkur wirklich aussieht und wo und wodurch es erzeugt wird", so der Grazer Experte.

"Made in Austria"