Wien. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat unlängst das Ziel ausgerufen, Wien zur "Digitalisierungshauptstadt" machen zu wollen. Gelingen soll das mit einer Vielzahl von Neuerungen und Projekten. Einige davon stellte der Stadtchef am Mittwoch mit dem zuständigen Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) vor. Die Latte reicht von WLAN für alle Pflichtschulen über Online-Amtswege bis hin zur "Grätzlmap".

Als Ludwig angekündigt habe, "Digi-Hauptstadt" werden zu wollen, "da habe ich auch einmal geschluckt", gestand Hanke. Wobei: So schlecht stehe man schon jetzt nicht da, sagte er am Mittwoch und verwies auf bereits längst umgesetzte Aktivitäten: "Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber wir fangen bei weitem nicht bei null an."


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Angehen will die Stadt den Ausbau in mehreren Bereichen - darunter auch in der Bildung. So sollen in drei Jahren die Klassen aller Wiener Pflichtschulen mit WLAN ausgestattet sein. Gestartet werde mit den Neubauten, dann würden Schulen, die gerade saniert werden, und Berufs- sowie Mittelschulen folgen, skizzierte Ludwig. In weiterer Folge könnten Schüler auch mit entsprechenden Endgeräten ausgestattet werden, deutete Hanke auf Nachfrage an: "Ich will hier aber jetzt keine Ankündigungen machen, die ich nicht halten kann." Darüber nachdenken werde man aber jedenfalls, "sonst wäre das ja eine halbherzige Sache".

Für Pass- und Meldewesen noch Gesetzesänderungen nötig

In Vorbereitung ist zudem eine neue Website, die diverse digitale Anwendungen unter www.mein.wien bündeln wird. "Sonst verlieren wir uns in hunderten Apps", erklärte der Stadtrat. Per Login werden diverse Behördenwege online zu erledigen sein. So wird man etwa recht unkompliziert das Parkpickerl bestellen können. Gastwirte wiederum sollen mit ein paar Klicks ihren Schanigarten schnell und einfach beantragen oder die Genehmigung verlängern können. "Auch Baueinreichungen soll man künftig von zu Hause aus erledigen können." Für die Digitalisierung des Pass- und Meldewesens brauche es allerdings entsprechende Gesetzesänderungen des Bundes, betonte Hanke.

Die Website läuft derzeit schon im Probebetrieb ("Beta-Version"). Interessierte können schon jetzt Testuser werden, bevor das Service dann in rund einem halben Jahr in den Vollbetrieb wechselt. Über "mein.wien" hat man auch Zugriff auf die neue "Grätzlmap". Diese Funktion ermöglicht es für Nutzer, zu einem selbst festgelegten Standort alle Neuigkeiten zu erfahren. Infos gibt es darüber, welche Events im Grätzl stattfinden, wo die nächste Altstoffsammelstelle ist, warum ein Straßenabschnitt saniert wird oder welche Führungen in umliegenden Museen geboten werden.

Die Digitalisierung biete enorme Chancen für die Wirtschaft und könne auch das Leben jedes Einzelnen einfacher machen, unterstrich Ludwig - aber: "Sie darf keine Gräben zwischen die Gesellschaft ziehen." Sprich: Wien soll nicht in eine Stadt der zwei Geschwindigkeiten zerfallen. Deshalb will man auch ältere Menschen mitnehmen.

Die Stadt plant deswegen auch einen Testbetrieb mit 80 Senioren, die 18 Monate lang mit Tablets und Smart Watch ausgestattet werden und ihre Erfahrungen schildern sollen, ob dadurch ihr Leben leichter und selbstbestimmter geworden ist. Kernstück des Vorhabens ist eine Art Nachbarschaftsnetzwerk, um gemeinsame Aktivitäten planen zu können oder Neuigkeiten zu erfahren.

Schneller will die Stadt Wien auch im Magistrat selbst werden. Dank der inzwischen abgeschlossenen Digitalisierung des gesamten öffentlichen Raums - eine Art genaueres Google Street View mit diversen Zusatzfunktionen - sollen weniger Mitarbeiter ausrücken müssen.

Begutachtungen künftig vom Schreibtisch aus möglich

Die Vermessung und Begutachtung örtlicher Gegebenheiten kann so beispielsweise in vielen Fällen vom Schreibtisch aus passieren, hieß es. Viele Wege würden dadurch eingespart. Ludwig und Hanke versprachen am Mittwoch, dass dies nur die ersten Schritte sein würden. Weitere Anwendungen sollen in regelmäßigen Abständen folgen.