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Wien. Im August 2018 wurde eine Frau in einem Asylheim im Alsergrund niedergestochen. Die Spezialeinheit Wega rückte aus, um den Verdächtigen, der sich irgendwo im Gebäude befand, festzusetzen. Aber was war mit der Schwerverletzten, die blutüberströmt in einem der Büroräume lag? Die Rettung durfte aufgrund der Gefahrensituation nicht eingreifen, um der Frau zu helfen.

"Dieser Einsatz war ein Paradebeispiel dafür, wieso wir die Weiterbildung zum Wega-Medic eingeführt haben", erklärt Christoph Bozek-Leitgeb im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der Wega-Polizist leitet seit Anfang 2018 das Team der Wega-Medics und deren Ausbildung. Als das Programm 2016 mit Unterstützung der Spezialeinheit Cobra auch bei der Wega eingeführt wurde, war er bereits mit von der Partie. Bei 34 Einsätzen waren die Wega-Medics 2018 (Stand September) dabei, auch im Alsergrund. Der schwerverletzten Frau haben sie das Leben gerettet. Dafür und für ihr Engagement wurde die Einheit Dienstagabend im Raffeisenhaus Wien mit dem Sicherheitsverdienstpreis ausgezeichnet.

"Keine bewaffneten Sanitäter"

"Prinzipiell ist die Rettungskette zur Versorgung und Behandlung Verletzter sehr gut aufgebaut", erklärt Bozek-Leitgeb. Besonders in Gefahrensituationen dürften zivile Rettungsdienste aber oft nicht eingreifen. "Das sind Einsatzorte, wo auch Polizisten des Streifendienstes nur wohlüberlegt vordringen würden", sagt er. Hier kommen die Wega-Medics ins Spiel. "Unsere Beamten sind alle dahin ausgebildet, sich im Ernstfall selbst versorgen zu können. Die Medics haben eine zusätzliche Ausbildung in taktischer Verletztenversorgung und können auch während Spezialeinsätzen die nötige Erstversorgung für Verletzte und Kollegen bereitstellen", so Bozek-Leitgeb.

Sobald die Umgebung gesichert ist, werden Erstversorgte sofort an die Rettungskräfte übergeben. Denn bei den Wega-Medics handelt es sich keineswegs um bewaffnete Sanitäter, stellt Bozek-Leitgeb klar. Sie würden nur die Erstversorgung im Gefahrenfall übernehmen. "Weder können, noch sollen sie die Rettungskräfte ersetzen", betont er.

Die Wega-Medics werden unter anderem von der Wiener Berufsrettung ausgebildet. Vorrangig seien die Beamten aber immer noch Polizisten und müssen das Einsatzziel vor Augen haben und sich auch selbst schützen, erklärt er weiter. "Gute Medizin kann eine schlechte Taktik sein. Und eine schlechte Taktik tötet Polizisten", zitiert Bozek-Leitgeb einen Leitspruch zur Notfallversorgung.