Wien. "Bald gibt es die weiterentwickelte E-Card, mit der acht Millionen Österreicher per Handy Zugriff auf alle ihre Gesundheitsdaten haben", erklärte der Vorsitzende der österreichischen Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, am Mittwoch. Damit sei man in Österreich viel weiter als in Deutschland. "Dort haben sie eine Milliarde Euro investiert für eine E-Card, die nicht mehr kann als eine Mitgliedskarte für den Tennisverein", so Biach, der auf die gesundheitswirtschaftliche Innovationskraft Österreichs und insbesondere Wiens aufmerksam machte.

Damit das so bleibt bzw. sich Wien zum größten Innovationsmotor Europas entwickeln kann, haben sich nun Stadt Wien, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und der Hauptverband zusammengetan, um Innovationen in der Gesundheitswirtschaft zu stärken und auszubauen: Ziel eines ab sofort regelmäßigen "Round Tables" ist unter anderem die Vernetzung der relevanten Akteure in diesem Bereich, der Innovationstransfer zwischen jungen und etablierten Unternehmen der Branche und die Steigerung des Start-up-Anteils in der Gesundheitswirtschaft. Das erklärten Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck, Industriellenvereinigung Wien-Geschäftsführer Johannes Höhrhan und Hauptverbandsvorsitzender Alexander Biach in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Eine interessante Konstellation, zumal nach gängiger Farbenlehre Biach, Ruck und Höhrhan der ÖVP zuzuordnen sind. Und Hacker der SPÖ.

"Zu kurz gekommen"

Überhaupt wolle er "als Bundesorganisation" eine Lanze für Wien brechen - "weil das in den letzten Tagen zu kurz gekommen ist", betonte Biach - wohl im Zusammenhang mit der wiederholten Kritik der Bundesregierung an Wien. Demnach sei die Bundeshauptstadt europaweit führend in Sachen Gesundheitstechnologien. Und diese Innovationen müssten aus Sicht der Sozialversicherungsträger im Gesundheits-Verwaltungsbereich weiter vorangetrieben werden, um sie auch den Versicherten anbieten zu können.

Alleine in den vergangenen fünf Jahren seien 113 Start-ups in diesem Bereich gegründet worden, betonte Walter Ruck. Entwickelt werden etwa Material aus medizinischer Seide, das körpereigene Sehnen bei Transplantationen ersetzen kann, eine App, mit der Hautkrankheiten mittels Smartphone-Kamera analysiert werden können oder künstliche Intelligenz, die Radiologen bei der Analyse von Bildern und bei der Erstellung von Befunden hilft, erklärte Ruck.

Insgesamt würden rund 500 Unternehmen mit 23.000 Beschäftigten einen jährlichen Umsatz von zwölf Milliarden Euro generieren. Wien sei aber nicht nur für etablierte Unternehmen, sondern auch für Start-ups im Gesundheitsbereich sehr attraktiv. Nach dem IT-Bereich komme hier gleich der Gesundheitssektor, erklärte Höhrhan.

Risikokapital für Start-ups

Der Anteil an Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, liege im Bereich von Biotech und Pharma bei mehr als 35 Prozent, bei den Medizinprodukteunternehmen bei etwa 30 Prozent. Für den Geschäftsführer eine hohe gesamtwirtschaftliche Relevanz "mit überdurchschnittlichen Multiplikatoreffekten in Bezug auf Produktionswert, Wertschöpfung und Beschäftigung".

Von dem hohen Anteil an jungen Unternehmen könnten Höhrhan zufolge alle Akteure der Branche profitieren, da diese zumeist technologieaffinen Unternehmen immer interessanter als Innovationspartner werden. "Einerseits zeichnen sich junge Unternehmen durch hohe Flexibilität aus und können so für größere Unternehmen im Wettbewerb um die besten Produkte einen entscheidenden Vorteil darstellen. Andererseits können etablierte Wirtschaftspartner Start-ups dabei helfen, Finanzierungslücken zu bewältigen und insbesondere ihre fundierte Erfahrung in Produktentwicklung und Vertrieb einbringen", so Höhrhan weiter.

Und der IV-Geschäftsführer regte einmal mehr an, Teile aus Erträgen der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIG) in Form von Risikokapital Start-ups zur Verfügung zu stellen.

Eine Idee, die im Zuge der gerade stattfindenden Umwandlung der ÖBIG in die Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBAG) aber laut dem Industriellenvereinigung-Geschäftsführer plötzlich kein Thema mehr sein dürfte.

Laut Peter Hacker verstärke die schnell wachsende Bevölkerung den Bedarf an innovativen Ideen im Gesundheitsbereich. Deshalb sei die "Demonstration der Geschlossenheit" durch diesen Round Table so wichtig. Und eine wichtige Voraussetzung, um in diesem Bereich von der Grundlagenforschung in die klinische Arbeit zu kommen.