Wien. Nicht selten passierte es in den vergangenen Monaten, dass man verzweifelt an den WC-Türen in U-Bahn-Stationen rüttelte und Einlass begehrte. Allein, es wurde nicht geöffnet. Da hieß es "zsammzwicken" und ein Lokal mit freundlichem Betreiber finden, um sein Bedürfnis zu stillen.

Die Wiener Linien haben immer wieder Toiletten abgesperrt, wenn Vandalismus und starke Verschmutzung die bisher kostenfrei betretbaren Anlagen unbenutzbar machten. Vor zwei Jahren entschied das Unternehmen daher, die Angelegenheit einem externen Partner zu überlassen - inklusive Gebührenpflicht für den Benutzer.

Mit Sanifair wurde nun ein erster Betreiber gefunden. Ab dem Frühjahr werden in sechs Haltestellen (Westbahnhof, Karlsplatz, Volkstheater, Schwedenplatz, Stephansplatz und Praterstern) die bestehenden Klos modernisiert. Sie sollen Hygiene und Komfort bieten und von eigenem Servicepersonal betreut werden. Der Umbau wird noch im Frühjahr starten.

Für die 50 Cent Benutzungsgebühr bekommt man einen 30-Cent-Bon, der dann bei teilnehmenden Partnern eingelöst werden kann. Barrierefreie Klos werden weiterhin kostenlos zugänglich sein und müssen mit einem eigenen Schlüssel geöffnet werden.

Europaweite Ausschreibung für unbetreute Anlagen

Für 25 weitere unbetreute WC-Anlagen startet nun erst die europaweite Ausschreibung. Eine Entscheidung soll es noch vor dem Sommer geben. Für die selbstreinigenden Toiletten ohne Personalbetreuung werden ebenfalls 50 Cent fällig, Bon wird es allerdings keinen geben.

Ursprünglich hatten die Wiener Linien alle Klos als Gesamtpaket ausgeschrieben, passende Angebote blieben aber aus. Deshalb fiel die Entscheidung für eine Trennung der Aufträge. Fünf Millionen Euro investiert das Verkehrsunternehmen in das neue Konzept. Damit wird vor allem die Infrastruktur modernisiert - also von Abflussrohren bis zu Lüftungen. Wie hoch das Auftragsvolumen für Sanifair ist, wollte man auf Nachfrage nicht verraten.

Fest steht, dass im Öffi-Netz infolge der Neugestaltung künftig insgesamt weniger Toiletten zur Verfügung stehen werden. Inklusive zehn Anlagen von Stadt bzw. ÖBB an Verkehrsknotenpunkten, an denen auch die U-Bahn hält, gibt es dann rund 40 stille Orte. Derzeit sind es rund 70 - wobei eben eine Reihe davon von längerfristigen Sperren betroffen sind.