Wien. Die Entwicklung der Wiener Mobilität war eines der großen Stadtthemen der Woche. Laut Modal Split, also der statistischen Aufschlüsselung der in Wien zurückgelegten Wege nach Verkehrsmittel, werden die Öffis konstant für 38 Prozent der Wege genützt. Aber auch wenn die Wiener Linien über einen Fahrgastrekord von 966 Millionen Beförderungen und 822.000 verkaufte Jahreskarten jubelten, wird wieder mehr mit dem Auto gefahren. Während die zurückgelegten Fußwege um zwei Prozent auf 26 Prozent zurückgingen, sind die Autostrecken um den gleichen Prozentsatz auf 29 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der gemeldeten Pkw ist um 1,1 Prozent auf 709.288 gewachsen. Das macht übrigens 14,2 Prozent aller österreichischen Pkw aus, Wien ist beim Motorisierungsgrad bundesweit Vierter.

Smartphone
statt Fahrzeug

Gleichzeitig sprach Verkehrsexpertin Andrea Weninger vergangene Woche von bis zu 30 Prozent Leerstand in Wiens Garagen. Insbesondere Jugendliche würden weniger auf das Auto zurückgreifen. Das eigene Fahrzeug als Statussymbol werde von Smartphones & Co. abgelöst, meinte sie.

Aber wie kann das alles zusammenpassen? Ulrich Leth vom Forschungsbereich für Verkehrsplanung an der Technischen Universität Wien, betont im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass Modal Split, leere Garagenplätze und gestiegene Pkw-Zahlen nur auf den ersten Blick auseinanderklaffen. "Beim Modal Split geht es um die Verteilung der Wege auf die Bevölkerung. Wenn die Stadt aber wächst, wächst auch die Anzahl der Wege", sagt er. So ließe sich auch erklären, dass trotz steigender Zahlen an Öffi-Nutzern und beobachteter Zuwächse des Radverkehrs an den Messstellen die Anteile konstant bleiben.

Mehr Autos in Stadtentwicklungsgebieten

"Auch der wachsende Pkw-Bestand muss nicht zwingend die Nutzung widerspiegeln. Beispielsweise gibt es Leute, die ihr Auto nur am Wochenende nutzen", sagt er. Hier entwickeln sich seit Jahren die inneren und äußeren Bezirke auseinander. Während in den inneren Bezirken trotz Bevölkerungszuwachs jährlich zwischen 300 und 500 Pkw weniger gemeldet seien, nehme der Fahrzeugbestand in den Außenbezirken zu, so Leth. Auch für Christian Lauder, Sprecher der Berufsgruppe Garagenbetreiber der Wirtschaftskammer, ist das nachvollziehbar. "Die Stadt wächst an den Rändern und wenn dort die öffentliche Verkehrsanbindung nicht optimal ist, greift man auf das Auto zurück", sagt er.

Aber wie sieht es nun wirklich mit den kolportierten Leerständen bei Garagenplätzen von bis zu 30 Prozent aus? Zumindest Ulrich Leth kann diese Werte nicht ganz nachvollziehen. "Dazu gibt es zu wenig Daten über private Garagenstellplätze und keine flächendeckenden Erhebungen", sagt er. Auch nicht allein das Alter der Wiener, sondern auch andere Faktoren wie Familiengröße würden eine Rolle spielen.