Bei Wiener Wohnen jedenfalls spricht man auf Anfrage davon, dass die knapp 47.000 Stellplätze in den betreuten Gemeindebauten zu 84 Prozent ausgelastet seien. Nicht benutzte Stellplätze werden auch über die Parkplatzbörse der Stadt Wien beworben, wird betont. Bei den gewerblichen Garagenplätzen auf der anderen Seite spricht man bei der Wirtschaftskammer von 90.000 Stellplätzen in 270 Garagen. Wie stark diese ausgelastet sind, könne man nicht genau sagen, betont Lauder, da dies zeit- und ortsabhängig wäre.

Die große Bauzeit der öffentlichen Garagen, wie sie in Wien 2000 eingesetzt hat, sei jedenfalls vorbei. "Das liegt unter anderem auch daran, dass es hier keine Förderungen vonseiten der Stadt mehr gibt", sagt Lauder. Zukünftige gewerbliche Parkanlagen werden immer objektbezogen geplant. "Der Neue Markt beispielsweise wurde schon seit 15 Jahren diskutiert. Die Garage am Schwarzenbergplatz gehört zum Hotel, das dort gebaut wird."

Parallel dazu sieht Verkehrsexperte Leth in punkto Garagenplätze und Leerständen eindeutig ein Gefälle hin zur Peripherie. "Leerstände betreffen eher die inneren Bezirke. Im öffentlichen Raum fällt das aber weniger auf, da jene, die ein Auto haben, eher das Parkpickerl nehmen, anstatt sich einen vergleichsweise teureren Garagenplatz zu leisten", sagt er. Diese Entwicklung würden aber zumindest die gewerblichen Betreiber nicht spüren, meint Lauder. "Früher haben sich die Anrainer bei uns eingemietet, jetzt sind es die Pendler", erklärt er.

Leerstand auch durch Stellplatzpflicht

In den äußeren Bezirken sei dies jedoch anders. Insbesondere in Stadtentwicklungsgebieten werden aufgrund der Stellplatzverpflichtung in der Wiener Bauordnung vermehrt Garagenplätze errichtet. "Gerade innerstädtisch sind Parkplätze aber nicht ausgelastet. Da hinkt die Bauordnung etwas hinterher", so Leth. Konkret kritisiert er, dass es sich bei der Verpflichtung, pro 100 Quadratmetern Wohnfläche einen Stellplatz zu errichten, um eine statische Größe handelt. Trotz der Erleichterung in der Baurechtsnovelle vom Juli 2018, nicht benützte Stellplätze aufzulassen, ist diese Vorschrift erhalten geblieben. "In anderen Städten, beispielsweise Zürich, sind Maximalwerte vorgeschrieben. Wenn der Bauträger befindet, dass in der Umgebung genug Stellplätze vorhanden sind, kann er auch auf den Bau von Garagenplätzen verzichten. Das drückt die Wohnbaukosten und würde wahrscheinlich auch die Mieten senken", sagt Leth.

City Maut würde Widerstand der Bezirke umgehen

Was die von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou erneut geforderte Einführung einer City Maut betrifft, gibt Leth zu bedenken, dass es zumindest aus verkehrsplanerischer Sicht besser wäre, zuerst die bestehende Parkraumbewirtschaftung auszureizen. "Viele Auswirkungen einer City Maut könnten auch mit einem flächendeckenden Parkpickerl erreicht werden. Zumal der Marktdruck in den verbliebenen Bezirken ohne Parkpickerl sehr hoch ist, da dort alle Einpendler stehen", meint er.

Da hier aber das Einverständnis der Bezirke nötig ist, kann er verstehen, dass wieder mit der City Maut geliebäugelt wird, um dies zu umgehen. "Hier kann die Stadt unabhängig agieren, da es ein wienweites Thema ist", sagt er. Die Stadt könne so auch Druck auf Niederösterreich erhöhen, um die Zusammenarbeit beispielsweise bei Park-and-Ride Anlagen im Umland oder Öffiverbindungen über die Stadtgrenzen hinaus zu verbessern. "Das passiert im Moment noch wenig", sagt er.