Wien. Der Prominentencocktail war gerührt, nicht geschüttelt. Rechts rum, links rum, rechts rum drehten sich die Ingredienzien in der Wiener Staatsoper. Hier tanzte der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder, dort Starsängerin Anna Netrebko auf dem berühmtesten Ball der Welt. Die Gästeliste war beeindruckend: Schröder, Nordmazedoniens Premier Zoran Zaev, Serbiens Außenminister und Vize-Premier Ivica Dacic, Ungarns Kanzleramtsminister Gergely Gulyas, Tschechiens Außenminister Tomas Petricek. Dazu gesellten sich Stars aus Society und Kultur wie das Sängerpaar Anna Netrebko und Yusif Eyvazov, DJ Ötzi, Conchita Wurst und Supermodel Elle Macpherson. Die österreichische Staatsmacht war sowieso vertreten.

Demonstrationen waren zwar keine angesagt. Letztlich fand sich aber doch noch ein Mann ein, der auch diese Tradition fortführte. Er kam, zeigte ein Schild, sprach mit der Polizei und verschwand dann so schnell, wie er gekommen war.

Fotostrecke 26 Bilder

Nach außen hin war alles harmonisch und harmlos. Wie nahe ist Nordmazedonien jetzt am EU-Beitritt? "Nach Beilegung des Namensstreits sind wir froh, dass wir jetzt das Mandat für Verhandlungen bekommen", sagte EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn (ÖVP) über den eingeladenen Premier Zoran Zaev. Wie steht es um die schwierigen Nord-Stream-2-Verhandlungen, wo Schröder Vorsitzender des Aktionärsausschusses ist und der österreichische Mineralölkonzern OMV als Finanzierungspartner agiert? "Das weiß Schröder", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).

"Kein Ball wie jeder andere"

Alle nur zum Vergnügen hier? Keine Unterhaltung über das Offensichtliche? Unwahrscheinlich. "Als Bürgermeister ist man praktisch immer im Dienst", erklärte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Vom Opernball ist er sehr angetan: "So etwas kann es nur in Wien geben", schwärmte er und lobte diese Mischung aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung. Nicht umsonst ist der Opernball um die Zeit des Wiener Kongresses entstanden.

"Es ist kein Ball wie jeder andere", betonte Benedikt, einer der Debütanten. Er und seine Partnerin Lisa hatten schon immer den Wunsch gehegt, einmal den Opernball zu eröffnen. Dass sie beide den Tag mit den Vorbereitungen auf den Ball zugebracht haben, brauchten sie nicht extra zu erwähnen. Von Frisur über Make-up bis hin zur Kleidung passte alles perfekt, wie aus dem Ei gepellt.

Sogar aus Portugal reisten die jungen Tanzwilligen für die Eröffnung des Opernballs an. "Eine Freundin hat mir Bilder von diesem Ball gezeigt. Das ist alles so wundervoll. Ich habe gewusst: Hier muss ich einmal her", sagte Ana Margarida.

Ballmutter Maria Großbauer war von ihren jungen Schützlingen ganz begeistert. "Bei der Hebefigur hat das Publikum applaudiert. Szenenapplaus in der Oper für den Opernball - großartig", sagte sie. Vom Opernball 2020 wollte sie noch nichts wissen. Doch räumte sie ein, dass wohl nur wenige Tage zum Verschnaufen bleiben werden, bevor die Vorbereitungen aufs Neue beginnen.

Nur eine Woche dauert die Pause an, dann geht es wieder los. Der Zeitplan drängt: Vergangenes Jahr waren die Logen schon zum Ende der Opernsaison im Juli ausgebucht.