Wien. In prähistorischen Abenteuern stampfen 18 lebensgroße Dinosaurier durch eine monumentale Kulisse in der Halle D, wenn sie unter dem Titel "Dinosaurier - Im Reich der Giganten" noch bis Sonntag in der Wiener Stadthalle das Publikum begeistern. Die Aufführung erzählt die Geschichte der Giganten - vom Aufstieg bis zum Fall. Die Show zeigt alle Giganten in Lebensgröße. Begleitet von klimatischen und tektonischen Veränderungen erlebt das Publikum eine Zeitreise in einem Realismus, den es so zuvor bei keiner Aufführung gab. Spezialisten aus Film, Computertechnik, Hightech-Animation und Designern arbeiteten am Aussehen und den Bewegungsabläufen der Kolosse.

Mit der "Wiener Zeitung" spricht die Kuratorin für Wirbeltierpaläontologie im Naturhistorischen Museum, Ursula Göhlich, darüber, wie realistisch eigentlich Dinosaurier-Modelle nach Millionen von Jahren heute dargestellt werden können.

"Wiener Zeitung":Wie wirklichkeitsgetreu sind die Dinosaurier-Modelle in der Stadthalle dargestellt?

Ursula Göhlich: "Die Modelle sehen alle so aus, wie man sich im Moment die unterschiedlichen Arte und Gattungen der Dinosaurier vorstellt. Auch die Körperhaltungen schauen ganz manierlich aus.

Wie kann man heute wissen, welche Farben die Haut der Dinos hatten?

Ja, hier ist schon die Fantasie gefragt. Ob die jetzt wirklich lila oder hellgrün waren, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Aber man orientiert sich hier an heute lebende Reptilien - Eidechsen, Varane, Eidechsen, Schlangen. Dann ist die nächste Frage: Wozu dient denn Farbe überhaupt? Hier kann es um Tarnung gehen, aber auch um Abschreckung. Die Tarnung ist für einen Räuber weniger wichtig, außer er will sich anschleichen - wobei hier die Größe natürlich auch eine Rolle spielt. Abschreckung hilft wiederum kleineren Tieren. Aber es kann natürlich auch völlig abstruse Gründe geben, die man eigentlich gar nicht nachvollziehen kann: Wenn etwa das Zebra ausgestorben wäre, würden wir nie auf die Idee kommen, ihm Streifen zu geben. Dabei hängt das ja angeblich damit zusammen, dass die Streifen Insekten von den Zebras fernhalten.

Wie kommt man dann zum Beispiel auf Mehrfarbigkeit?

Bei Vögeln ist es sehr auffällig, dass durch Farben das Interesse des anderen Geschlechts geweckt werden soll. Da ist es fast ausnahmslos so, dass die Männchen die farbenprächtigeren sind - gepaart mit viel Imponiergehabe. Und das muss man natürlich auch in Betracht ziehen. Es gibt allerdings mittlerweile schon einige Funde, wo man Abdrücke von der Haut des Dinosauriers erhalten hat, sodass man bei manchen Arten sogar etwas über die Körperoberfläche sagen kann - also etwa über die Größe der Schuppen oder deren Anordnung. Es gibt in England Arbeitsgruppen, die sich mit mikroskopisch kleinen Farbpigmenten von solchen Hautfetzen beschäftigen. Und aufgrund der Formen der Melanosome können dann Rückschlüsse auf bestimmte Farbspektren gezogen.

Außerdem muss bei einer Dinosaurier-Show dem Publikum ja auch etwas Spannendes geboten werden, oder?

Natürlich, wenn da alle Dinosaurier in Nato-Grün daherkommen, wäre das langweilig.

Wie ist das dann mit Geräuschen?

Von den Lauten her sind wir ziemlich am Anfang. Da wissen wir nicht wirklich, was da passiert, weil uns die Weichteile dazu fehlen. Auch hier kann alles möglich sein - wenn man bedenkt, dass es in unserer Gegenwart Landschildkröten gibt, die wie Vögel pfeifen können. Vielleicht liegen wir ja total verkehrt damit, wenn wir glauben, dass ein Raubsaurier fauchen muss.

Was halten Sie vom Klonen von Dinosauriern, falls es möglich wäre?

Es wäre vielleicht insofern interessant, weil man als Wissenschafter die eigenen Thesen über die Tiere überprüfen könnte. Aber vom biologischen Aspekt her hätte das überhaupt keinen Sinn. Es gibt ja schließlich einen Grund dafür, warum diese Tiere ausgestorben sind. - Abgesehen davon: Wo sollen wir diese Riesen dann hinstellen?