Wien. Yvonne Nather parkt mit ihrer schwarzen Mercedes-Limousine vor einem bekannten Wiener Club und wartet. Ihr Auftrag: Ein junges Mädchen abzuholen und sicher nach Hause zu bringen. Doch was machen, wenn der Fahrgast nach mehrmaligen Anrufen und SMS nicht reagiert?

"Die Eltern haben uns für eine bestimmte Uhrzeit gebucht. Ich kann hier aber nicht ewig stehen, aber auch nicht einfach wegfahren", sagt Nather und tippt eine SMS. "Ich könnte dich auch über den DJ ausrufen lassen", heißt es darin. Eine Sekunde später ruft die Teenagerin an. Yvonne Nather hat die Sternenmädchen - der Name ist an ihre Mercedes-Flotte angelehnt - 2010 gegründet. Es ist Wiens erstes und einziges Frauentaxi, obwohl sie sich rechtlich nicht so nennen darf und es auch nicht tut. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, das Mietwagen-Kennzeichnen der Taxikonzession vorzuziehen.

Gezielt keine Taxilizenz

"Würden wir mit der Taxilizenz fahren, müssten wir nach jeder Fahrt zum nächstgelegenen Taxistand fahren. So ist es gesetzlich geregelt. Aus Sicherheitsgründen möchte ich das für meine Fahrerinnen nicht. Sie sollen jederzeit in unsere Zentrale zurückkehren können und nicht nachts an einem verlassenen Taxistand stehen müssen. Ein anderer Grund ist, dass wir uns die Personengruppe im Mietwagen aussuchen können - im Taxi ist das nicht möglich. Ein Ausschließungsgrund im Taxi wäre nur, wenn jemand offensichtlich betrunken ist, unter Drogeneinfluss steht oder eine Waffe trägt. Hunde darf ich ablehnen. Mann als Ausschließungsgrund geht jedoch nicht", erklärt Yvonne Nather.

Bei den Sternenmädchen bringen weibliche Fahrerinnen Frauen ans Ziel. "Wir steigen bei jeder Fahrt aus dem Wagen aus und warten solange, bis das Licht im Hausflur oder im Haus angeht, damit wir im Ernstfall reagieren können. Wir versichern uns, dass die Frauen auch sicher im Haus ankommen", erklärt Nather. Passiert sei bisher nichts.

"Wir mussten kein einziges Mal eingreifen. Bei sehr stark betrunkenen Mädchen denke ich mir jedoch immer, verdammt gut, dass ich da bin." Und manchmal müssen die Sternenmädchen auch Mama spielen. "Ich frage die Mädels, ob sie die Schlüssel bei der Hand haben, oder sage ihnen, sie sollen sich Ersatz-Ballerinas zur Garderobe hinhängen. Wir halten auch stilles Wasser, ein Haargummi und ein Speibsackerl bereit."

Die Idee, ein Frauentaxi zu gründen, entstand, als Yvonne Nathers Vater - eine Wiener Taxi-Legende - ihr 2010 das Taxiunternehmen übergab. "Ich wurde anfangs nur die Kleine vom Taxi-Pauli genannt und es gab im Betrieb nur männliche Taxifahrer. 50 Prozent der Taxifahrer haben uns verlassen, weil sie nicht unter einer Frau arbeiten wollten. Und viele, die geblieben sind, hatte auch Probleme mit einer Chefin", erinnert sich Nather, die als Gegenpol auf weibliche Fahrerinnen setzte.